Ralph Eid, Landschaftsarchitekt

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Zengarten

Leben erleben –
Eine kleine Philosophie des Gartens

Chinesische und Japanische Gärten

V.a. die traditionellen chinesischen und japanischen Gärten haben etwas Faszinierendes. Es sind stilisierte Nachbildungen der Natur, wildromantische Landschaften im Kleinen.

In dieser östlichen Gartengestaltung spiegelt sich besonders deutlich der Kontrast zu der westlichen Weltanschauung. Während man im Westen sich als Herrscher über die Natur berufen fühlte und demgemäss danach strebte, sich die Natur untertan zu machen, empfand sich der Bewohner Asiens von Indien bis Japan als Teil der Natur. Seine Gottheiten bewohnten nicht den Himmel, sondern erhabene Orte in der Natur. Der Mensch war nicht nur geistig, sondern auch räumlich eingesponnen in dieses Gefüge der herrschenden Gottheiten. Deutlicher Ausdruck dieser Auffassung ist die Feng-Shui-Philosophie, die den Menschen Werkzeuge bot, wie er sein Leben in größtmöglicher Harmonie mit seiner Umgebung einrichten konnte.

Der Ursprung der chin.-jap. Gartentradition ist in China zu suchen. Erst vom 6. Jahrhundert an begann Japan, chinesische Kulturelemente, darunter auch die Gartenkultur, zu übernehmen. Vom Zen-Buddhismus geprägt entwickelte sich die japanische Stilrichtung dann auf eine eigene Art und Weise weiter. Das Grundmotiv des Gartens bleibt dennoch das gleiche.

Japanischer Garten
Japanischer Garten

Ausgangspunkt der Gartenkultur im klassischen China war die Malerei. Ebenso wie ein Bild galt der Garten als Kunstwerk, das nur zum Betrachten diente und nicht etwa zum Lustwandeln oder - noch profaner - zum Spazieren gehen. Zu jedem Gartenteil resp. Gartenbild gehörte ein Pavillon, von dem aus man ihn betrachtete. In den Gärten wurden Landschaften in Miniaturform nachgebildet. Religiös verehrte Berge wurden durch Steine symbolisiert, und um die Größenverhältnisse anzunähern, wurden Bäume zu Bonsais verkleinert. Es ist beeindruckend, wie stilecht z.B. vom Wind gepeitschte Formen nachgeahmt wurden. Der Buddhismus führte zu einer veränderten religiösen Einstellung und damit auch zu einer veränderten Sichtweise in Bezug auf den Garten. Nun empfand man den Garten als Ort der Kontemplation, wo man auf dem Weg der Einheit mit allem Sein seinen meditativen Übungen nachgehen konnte. Ursprünglich gab es keinen Rasen, stattdessen nur festgestampfte, feucht gehaltene Erde, die nicht betreten werden durfte. Das war den Trittplatten vorbehalten. Der Zen-Buddhismus in Japan verstärkte dieses meditative Motiv, indem die Natur nur noch als eine Metapher zu finden war. Aus Wasserflächen, Bachläufen und Wasserfällen wurden geharkte Kiesflächen. Im Extremfall bestand ein Zen-Garten, der nun an die Klöster gebunden war, aus Kiesflächen mit einigen wenigen, kunstvoll arrangierten Steinen darin. Hier konnte man, ähnlich wie in der Teezeremonie, durch Betrachtung und Kontemplation mit der Seele der Steine kommunizieren und Wa Kei Sei Jaku (Harmonie, Ehrerbietung, Reinheit, Stille) erlangen. In der altjapanischen, vorbuddhistischen, shintoistischen Tradition hatten Bäume eine besondere Bedeutung. Sie besaßen die Fähigkeit, günstige Himmelsströme einzufangen. Mit ihnen konnte man wohlgesonnene Gottheiten anlocken und die Bewohner der nahen Häuser vor unheilvollen Kräften schützen. Der Zen-Buddhismus verbannte frei wachsende Bäume und Sträucher aus den Gärten in die Peripherie. Dem zeitlosen Charakter des Zen-Gartens entsprach es vielmehr, die verwendeten Gehölze, meist Kiefern und immergrüne Sträucher, in eine strenge Form zu schneiden, wodurch den Gärten etwas Unwandelbares, Dauerhaftes, ähnlich einem Gemälde, verliehen wurde. Trotzdem wurden auch weiterhin die Jahreszeiten als Sinnbild des Kreislaufes des Lebens verehrt, was die große Bedeutung der Kirschblüte im Frühjahr, sowie die Herbstfärbung v.a. des jap. Ahorns erklärt.

Dieser Kreislauf des Lebens wird in der östlichen Tradition als ewige Wiederkehr des gleichen angesehen. Für einen westlich geprägten Menschen ist das schwer zu verstehen, weil der Kreislauf immer mit einer gewissen Entwicklung verbunden ist. Man kann zwar abstrakt das Leben als Kreislauf von Geburt und Tod ansehen, dazwischen findet aber Wachstum statt, das jedes lebendige Wesen verändert. Die östliche, vorwiegend buddhistisch geprägte Weltanschauung sieht in dem Kreislauf eher das ewig sich drehende Rad des Lebens, aus dem der Mensch nur entrinnen kann, wenn er Erleuchtung erlangt und ins Nirwana eingeht. (s.a. Feng-Shui oder Naturerkenntnis-Selbsterkenntnis)

Dieser kurze Abriss der chinesisch-japanischen Gartentradition lässt bereits deutlich erkennen, dass man es hier mit dem dritten Aspekt der Naturbetrachtung zu tun hat: der ehrwürdigen, erhabenen Natur, die von Ewigkeit zu Ewigkeit besteht. Deshalb wirken auch die Gärten wie eingefrorene Landschaften, die allerdings nur durch hohen Pflegeaufwand in einem idealen Zustand erhalten werden.

Wenn man zu der ehrwürdigen Natur aufschaut, wird man nur schwer zu einer innerlich freien Grundeinstellung gelangen. Man wird immer das unmündige Geschöpf bleiben. Es mag sein, dass diese Einstellung weniger Gefahr läuft, sich in irgendwelche Exzesse zu verirren, weil man sich gerade nicht zum Herrscher geboren fühlt. Es besteht aber die große Gefahr, stehen zu bleiben, und sich neuen Herausforderungen gegenüber zu schwach zu zeigen. Die Harmonie, wie das bereits in dem Abschnitt über Feng Shui beschrieben wurde, ist ein Feind der Weiter- und damit der Höherentwicklung. Kenneth Clark sagt dazu in dem Kapitel über die Romantik: "Und Harmonie: immer wieder habe ich in diesem Buch das Wort in lobendem Sinn verwendet. Aber in sich geschlossen! Da liegt der Haken: eine in sich geschlossene Welt wird zum Gefängnis für den Geist. Man sehnt sich hinauszugehen, sehnt sich nach freier Bewegung. Man begreift, dass Symmetrie und Harmonie, ungeachtet ihrer Vorzüge, Feind jeglicher Bewegung sind ...Wir verlassen die geordneten, eng umgrenzten Interieurs, die wir dem Klassizismus des 18. Jahrhundert verdanken, und schicken uns an, dem Grenzenlosen zu begegnen."

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