Ralph Eid, Landschaftsarchitekt

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Ethisches

Viele meiner Kunden, das sieht man an der Qualität der gezeigten Gärten, brauchen nicht jeden Pfennig umzudrehen. Sie gehören zu der Sorte Menschen, die es, wie man so schön sagt, geschafft haben. Wer die Erläuterungen auf diesen Seiten gelesen hat, wird sich vielleicht fragen, wie das zusammenpaßt. Manche der Menschen, für die ich arbeite, gehören zum Management der Firmen und Konzerne, die verantwortlich sind für die Zerstörung unserer Erde. Sie zählen zwar nicht zur obersten Riege dieses Managements, aber auch wenn sie nicht selbst aktiv daran beteiligt sind, so sind sie doch in irgendeiner Form in die Arbeits- und Entscheidungsabläufe verflochten, sei es, daß sie als Anwalt Standpunkte vertreten müssen, die sie selbst nicht gutheißen, daß sie an der Produktion von Waren beteiligt sind, die die Umwelt und Menschen schädigen, daß sie im Finanzwesen helfen, den Status quo aufrechtzuerhalten, oder sei es, daß sie als Politiker gerade diesen Menschen den Weg ebnen zu glauben müssen, damit die notwendigen Arbeitsplätze geschaffen werden und viele andere Menschen nicht auf der Straße zu sitzen brauchen. Es sind Menschen wie Du und ich. Die meisten haben die Ideale ihrer Jugendzeit noch nicht vergessen, sie sehen nur keine Möglichkeit mehr, sie zu verwirklichen. Der Zwang, den Lebensstandart aufrechtzuerhalten und zu vermehren, läßt sie über manches hinwegsehen. Wenn sie gefragt würden, ob es richtig ist, daß es ihnen um soviel besser geht als der Mehrzahl der Menschen, würden sie überzeugt mit "ja" antworten. Schließlich haben sie hart dafür gearbeitet, daß es ihnen jetzt so gut geht. Sie haben vielleicht auf vieles verzichtet, um "im Leben weiterzukommen".

Allerdings gibt es andere, die auch hart arbeiten müssen, damit sie sich wenigstens das nötigste zum Lebensunterhalt verdienen. Vielleicht eine Frau, die als alleinerziehende Mutter jede Arbeit annehmen muß, um ihre Familie zu ernähren. Jemand, der mit fünfzig schon arbeitsunfähig ist, weil die Verhältnisse an seinem Arbeitsplatz seine Gesundheit ruiniert haben. Ich meine gewiß nicht die Frührentner, die sich ein schönes Leben von der Sozialhilfe gönnen, sondern diejenigen, die unsere Gesellschaft darüber schon fast vergessen hat. Oder den fünfzigjährigen Arbeitslosen, der keine Chance mehr hat, jemals wieder eine angemessene Arbeitsstelle zu finden. Man kann sich natürlich lapidar auf den Standpunkt stellen: Diese Unterschiede von arm und reich hat es schon immer gegeben und wird es auch immer geben. Es haben schon viele versucht, daran etwas zu ändern, aber bisher sind alle gescheitert. Schön und Gut. Aber es gibt vieles, was es Jahrtausende nicht gab, und trotzdem will heute niemand mehr diese Dinge missen. Ich denke da an Autos, Fernseher, Telefon, Computer,... Das sind technische Errungenschaften, zugegeben. Wer kann aber definitiv behaupten, mit geistigen Errungenschaften sei das anders. Ist es denn so abwegig, daß auch in der etischen Entwicklung der Menschheit ein Fortschritt auftritt? Es sollte uns nicht kalt lassen, daß sogar in den reichen Ländern Mitteleuropas und Nordamerikas mitlerweile wieder viele Menschen unterhalb der Armutsgrenze leben. Das sind Alarmzeichen (neben manchen anderen), die man nicht ignorieren darf.

Wie kommt ein Gärtner dazu, sich über Dinge den Kopf zu zerbrechen, die die besten Fachleute nicht lösen können? Geht es dem etwa zu gut, daß er neben seiner Arbeit noch Zeit für solche Hirngespinste hat? – Ich würde diese Frage anders stellen:"Wieso nimmt sich keiner mehr die Zeit, über solche Dinge nachzudenken? Wieso läßt es so viele kalt, daß unsere Ellenbogengesellschaft immer stärker wird?" Es stimmt einfach nicht, daß man nichts ändern kann. Es mag wohl sein, daß ein Einzelner nichts bewirkt, aber wenn viele den Willen dazu haben, wird es auch Mittel und Wege geben, etwas zu ändern. Es ist noch gar nicht lange her, als allein der Wille von vielen in dem Bewußtsein "Wir sind das Volk" eine Regierung zur Kapitulation zwang. Da sind Kräfte am Werk, die etwas bewirken können, im Gegensatz zu den Sonntagsreden z.B. eines Roman Herzog, der gerne einen "Ruck durch unser Volk" sehen würde, während er sich zufrieden in seinem Fernsehsessel zurücklehnt. Deshalb ist es wichtig, daß sich jeder Gedanken macht, und im Rahmen seiner Möglichkeiten seine Gedanken ausspricht, statt sie für sich zu behalten. Ich bin sicher, daß es gar nicht so wenige sind, die ähnlich denken. Wenn alle das auch aussprechen würden, würde die Welt vielleicht anders aussehen. Es ist schon oft gesagt worden, und immer wieder aktuell: Das Schlimmste an der ganzen Tragödie ist nicht die Handlungsweise derer, die den Status quo aufrechterhalten und verstärken, sondern die Gleichgültigkeit derer, die es eigentlich besser wissen. Und weil ich schon einmal angefangen habe, meine Gedanken auszusprechen, will ich damit auch fortfahren. Woran liegt es, daß diejenigen, denen es besonders gut geht, kein schlechtes Gewisseen haben, daß sie nicht ab und zu der Gedanke überkommt, irgendetwas an der Situation sei nicht rechtens? – Es ist nicht ihre Schuld, daß sie nicht darüber nachdenken (ich will damit niemanden persönlich angreifen. Dieser Satz ist allgemein gemeint. Bestimmt hat sich der eine oder andere schon seine Gedanken darüber gemacht). Es ist die Schuld eines jeden unserer Gesellschaft, weil das alles legitim ist und sogar gutgeheißen wird. Schließlich ist es nicht so, daß die, denen es schlechter geht, im Grunde ihres Herzens anders empfinden. Auch diese hätten kein schlechtes Gewissen, wenn sie plötzlich reich wären. Auch sie versuchen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit dem geringsten Aufwand den maximalen Gewinn zu erzielen, auch wenn das auf dem Rücken von anderen ausgetragen wird. Sie sind vielleicht neidisch auf die anderen, denen es besser geht, aber handeln würden sie nicht anders, wenn die Situation umgekehrt wäre.

Von wem kann man erwarten, daß sich in dieser Beziehung etwas ändert? Von der Politik? Dieser Illusion sollte man sich nicht hingeben. Das Gewinnstreben wird doch allgemein gutgeheißen. Niemand weist darauf hin, es sei falsch, wenn jemand das zehnfache oder noch mehr dessen verdient, als er je verbrauchen kann. Auch die Kirchen, von denen man das noch am ehesten erwarten könnte, haben in dieser Beziehung kläglich versagt. Den verantwortlichen Politikern fällt zu diesem Thema nichts besseres ein als die Einkommens- oder Vermögenssteuer. (Zumindest war das bis vor einigen Jahren noch so. Heute schont man die Besserverdienenden und bittet die Geringverdiener stärker zur Kasse.) Doch das kann keine echte Lösung sein. Man kann nicht auf der einen Seite sagen: "Das ist dein eigenes Verdienst und dein gutes Recht, daß es dir besser geht", auf der anderen Seite nimmt man aber einen großen Teil dessen, was der Betreffende als sein rechtmäßiges Eigentum betrachtet, wieder weg. Aus dieser Sicht ist es in gewissem Sinne durchaus verständlich, wenn nicht wenige versuchen, ihr "sauer verdientes" Geld am Finanzamt vorbei auf irgendwelchen sicheren anonymen Konten zu bunkern. Der einzige Ausweg aus dieser verfahrenen Situation wäre es, wenn sich unsere Gesellschaft zu einer völlig neuen Denkweise durchringen würde. Der Weg dorthin ist schon von vielen vorgezeichnet worden: Leo Tolstoi, Albert Schweitzer, Rudolf Steiner, Mahatma Gandhi, Martin Luther King (und bestimmt noch viele andere, deren Namen nicht so bekannt sind) – sie alle haben darauf hingewiesen, daß die Grundlagen unserer Gesellschaft nicht richtig sind. Das Prinzip von Adam Smith – wenn jeder nach seinem eigenen Vorteil strebt, stellt sich irgendwann ein Gleichgewicht ein, wo für alle ein einkömmliches Leben gegeben ist – hat sich als falsch erwiesen. Sowohl im Kommunismus, als auch im Kapitalismus wird die Würde des Menschen mit Füßen getreten. Die Gewinnsucht, die alle Teile der Gesellschaft erfaßt hat, ist allerdings nicht die Ursache, sondern nur die Folge einer weit gefährlicheren Entwicklung, nämlich dem Verlust jeder höheren, immateriellen Werte überhaupt.

Wenn der Mensch an nichts mehr glaubt, weil er jedes religiöse Bewußtsein verloren hat, dann findet er Erfüllung nur noch in materiellem Erfolg und Wohlstand. Das Sein beschränkt sich für ihn dann nur noch auf sein irdisches Wohlergehen. Wie kann man erwarten, daß solche Menschen für mehr als ihre ganz persönlichen Bedürfnisse leben? Die Lösung kann nicht in einer Rückbesinnung auf alte Werte liegen, wie sie manche Politiker sogenannter christlicher Parteien oder die etablierten Kirchen propagieren. Das Grundübel unserer Zeit kann nur durch eine religiös-ethische Lebenseinstellung überwunden werden. Alle Ansätze dazu kamen nicht von den Sozialwissenschaften, sondern von tief religiös empfindenden Menschen. Einer davon, Albert Schweitzer, hat versucht, alle diese Überlegungen in seiner "Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben" zusammenzufassen: "Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will." Das, was wir alle – ich schließe mich da nicht aus – als den rechtmäßig erworbenen Lohn unserer Arbeit beanspruchen, das gehört uns nicht. Es gehört all denen, die daran mitgearbeitet haben, die es uns überhaupt ermöglichen, unsere Arbeit zu tun. Und es gehört denen, die deswegen nichts erhalten, weil von dem, was wir anderen beanspruchen, nichts mehr übrig bleibt. Wenn jeder, dem es ein bißchen besser geht als dem letzen unserer Gesellschaft, sich darüber im Klaren ist, daß daran auch andere ihren Anteil haben, werden sich die meisten Probleme von selbst lösen. Wenn das einmal verstanden wird, ist schon vieles erreicht.

2003 - eine Art Fortsetzung unter Todeserfahrung

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