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Es gibt Menschen, bei denen man den Eindruck hat, Christus selbst spricht aus ihnen, um seine Gleichnisse zu deuten. Einer von diesen begnadeten Menschen ist Albert Schweitzer, von dem nur wenige wissen, daß er als Pfarrer in Straßburg gelebt hat, bevor er Medizin studierte und als Arzt nach Afrika ging. Ich hätte mir meine Gedanken zur Ethik sparen können, wenn ich früher die Predigt von Albert Schweitzer gelesen hätte, die er 1908 über das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden gehalten hat. Dazu gibt es nichts hinzuzufügen. Deshalb möchte ich an dieser Stelle diese Predigt wörtlich wiedergeben.

Matthäus 25,14-30: "Gleichwie ein Mensch, der über Land zog, rief seine Knechte und tat ihnen seine Güter aus; und einem gab er fünf Zentner, dem anderen zwei, dem dritten einen, einem jeden nach seinem Vermögen, und zog bald hinweg. Da ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit ihnen und gewann andere fünf Zentner. Desgleichen, der zwei Zentner empfangen hatte, gewann auch zwei andere. Der aber einen empfangen hatte, ging hin und machte eine Grube in die Erde und verbarg seines Herren Geld. Über eine lange Zeit kam der Herr dieser Knechte und hielt Rechenschaft mit ihnen. Da trat herzu, der fünf Zentner empfangen hatte, und legte andere fünf Zentner dar und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner ausgetan; siehe da, ich habe damit andere fünf Zentner gewonnen. Da sprach sein Herr zu ihm: Ei, du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel setzen; gehe ein zu deines Herrn Freude! Da trat auch herzu, der zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei Zentner ausgetan; siehe da, ich habe mit ihnen zwei andere gewonnen. Sein Herr sprach zu ihm: Ei, du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel setzen; gehe ein zu deines Herrn Freude! Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wußte, daß du ein harter Mann bist: du schneidest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, da du nicht gestreut hast; und fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in die Erde. Siehe, da hast du das Deine. Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du Schalk und fauler Knecht! Wußtest du, daß ich schneide, da ich nicht gesät habe, und sammle, da ich nicht gestreut habe? so solltest du mein Geld zu den Wechslern getan haben, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine zu mir genommen mit Zinsen. Darum nehmt von ihm den Zentner und gebt es dem, der zehn Zentner hat. Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappern."

Wenn einer von heutzutage dieses Gleichnis erdacht hätte, würde es lauten: Ein Herr tat seinen Knechten seine Güter aus; der eine empfing fünf, der andere zwei, der letzte ein Pfund; als der Herr zurückkam, hatte der erste die große Summe vertan, der zweite die seine ebenfalls, der dritte aber, der nur wenig empfangen hatte, war treu gewesen und hatte mit dem Geld zu seines Herrn Nutzen gewirtschaftet.

Bei unserem Herrn lautet das Gleichnis aber umgekehrt. Er will mit der Selbstgerechtigkeit des kleinen Mannes aufräumen. Urteilt selbst, ob er damit in unserer Zeit im Recht oder Unrecht ist. Wir sind gewohnt, auf die Menschen zu sehen, die viel empfangen haben, und entrüsten uns über sie, daß sie von ihrem Gut nicht den Gebrauch machen, den sie sollten, und daß sie der Welt und ihren Mitmenschen nicht das sind, was sie sein müßten, wenn sie eine Auffassung davon hätten, daß das, was sie haben, ein Pfund ist, mit dem sie wuchern sollen. Wir entrüsten uns über die hochgestellten Menschen, die nur daran denken, ihre Stellung zu genießen, über den Reichen, der seinem Vergnügen lebt, über die begabten Menschen, die mit Geist und Kenntnissen nach Geld und Stellungen jagen, und denken bei uns, wie ideal wir handeln und streben würden.

Die Zeitungen unterstützen uns darin. Sie berichten uns über alles, was in den hochgestellten und reichen Kreisen vorkommt. Da kommen sich die Leute, auf die die Augen der Welt nicht gerichtet sind, so wacker und brav vor. Sie rechnen es sich zum Verdienst an, daß sie noch keine arme Frau im Automobil überfahren, niemals Tausende für ein Fest verausgabten, niemals jemand ihren hohen Rang fühlen ließen, und ermutigen sich gegenseitig in ihrer Selbstgerechtigkeit.

Der Herr Jesus aber fährt darüber hin wie der Lehrer mit dem Schwamm über die schwarze Tafel, auf der der Schüler den andern die Rechnung falsch vorgerechnet hat, und zwingt uns, die Welt mit den Augen der Gerechtigkeit zu betrachten. Wer das tut, der findet, daß unter denen, die über viel gesetzt sind, viele, viel mehr, als man annehmen würde, treu sind und die Verantwortung fühlen, die ihnen mit Gut und Gaben zugefallen ist, und daß wir, die wir uns immer ausmalen, was wir tun würden, wenn wir mit denen, die wir richten, tauschen könnten, die Schuldigen sind, die er im Gleichnis meint.

Der Knecht bringt das Geld wieder. Er hat es nicht vertrunken und nicht vertan; er war vielleicht in Not und hat sich nicht daran vergriffen, obwohl er solches bei andern sah. Mit der Zuversicht, kein schlechter Mensch zu sein, kommt er zum Herrn.

Das sind wir. Wir sehen Menschen, die ihre Gesundheit in unsinnigem Wandel ruiniert haben, andere, die ihre Habe, andere, die ihre geistigen Kräfte vergeudeten, tote Glieder der menschlichen Gesellschaft, und fühlen einen Unterschied zwischen ihnen und uns, den man mit Reden über die allgemeine Sündhaftigkeit nicht weglöschen kann, da er berechtigt ist. Wir haben nichts Böses, aber auch nichts Gutes ausgerichtet, sondern uns durchs Leben geholfen, so gut es ging, und sind mehr oder weniger unnütze Menschen im guten Sinn des Wortes, unnütz wie jener Knecht. Wie jener für seinen Herrn, haben wir für das, was Gottes Geist in dieser Welt will, weder etwas gewonnen noch verloren.

Und hier ist das Gleichnis wieder nicht so, wie es unserm Empfinden entsprechen würde. Der Knecht ist weder bös noch gut, also sollte ihn der Herr weder loben noch tadeln, sondern das Seine zurücknehme und ihn gehenlassen. Daß er ihn aber wie einen Missetäter behandelt, als hätte er gestohlen und betrogen, ist etwas an sich Ungeheuerliches, eine der grausigen Härten und Paradoxien, die uns in Jesu Gleichnissen erschüttern und erschrecken, weil es auf uns geredet ist. So hart richtet sein Geist die guten unnützen Menschen, die nichts von dem, was in seinem Geiste gewollt und getan werden muß, unternommen haben.

Wenn der Knecht nur hätte reden dürfen! Er hätte Entschuldigungen vorzubringen gehabt. Von Anfang an hatte er ja gar nicht vorgehabt, nichts anzufangen. Aber da war die Angst vor der unglücklichen Operation, wo er dann mit leeren Händen hätte vor den Herrn treten müssen, die Sorge um sein und der Seinen Fortkommen, die ihn in Anspruch nahm, Mißerfolge, die ihn entmutigten, und der Gedanke, daß, ob er etwas gewönne oder nicht, sein Herr es an seinem Vermögen nicht spüren würde. Dein Herr wird durch dich weder reich noch arm. Das war’s, womit er sich beruhigt hatte. An dieser Überlegung ging er zugrunde. Den andern war es leichter gemacht worden; sie hatten so viel zu verwalten erhalten, daß sie sich nicht einreden konnten, es käme für den Herrn auf ihren Gewinn nicht an.

Heute ist es noch so. Der Fabrikherr, von dem das Wohl und wehe einer ganzen Gegend abhängt, die Menschen, die sich ihres großen, geistigen Einflusses bewußt sind: Wenn in diesen allen nur ein Funken vom Geist Jesu ist, dann predigt es ihnen jeder Tag lauter als der vorhergehende: Auf dich kommt es an. So erzieht ihnen die Größe ihrer Aufgabe ein Wollen an, von dem sie von sich aus nichts geahnt hätten.

Und die Menschen, die in der Masse in Reih und Glied stehen, laufen Gefahr, daß das Wollen, das sich in ihnen regt, durch das "Auf dich kommt es nicht an" erstickt wird. Wir denken, daß alles, was wir tun können, im Haushalte Gottes nur ein Stäubchen auf der Waage ist. Damit kommt langsam eine Gleichgültigkeit über die Menschen, die sie lähmt. Sie verlieren den Blick für die Aufgaben um sich herum und sinken in die Klasse derer herab, die man für nichts mehr begeistern und gewinnen kann. Gar manche von denen, die wir als solche kennen, waren nicht so von Anfang an. In ihrer ersten Jugend, als sie ins Leben hinaustraten, waren sie ganz andere Menschen. Sie hätten auch viel vorzubringen, um sich zu entschuldigen, daß sie jetzt in der Reihe derer dahingehen, die nur gerade vor sich auf die Füße, nicht rechts, nicht links sehen und einmal dem lieben Gott das nackte Leben, wie sie es von ihm erhielten, zurückgeben werden und nichts, was sie damit in der Welt für sein Reich unter den Menschen gewirkt und gewonnen haben. Und als letzte Entschuldigung hätten sie immer, daß sie dachten, es käme auf sie nicht an.

Daß dieser Gedanke auch für uns die große Gefahr ist, wißt ihr davon, daß ihr schon mit ihm zu tun hattet und ihm gar oft unterlagt. Mehr als Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit vermögen, hat er euch schon vom Guten zurückgehalten. Ihr hattet eure Hand geöffnet, um zu geben, da kam diese Überlegung und schloß sie euch. Ihr wart entschlossen, für eine Sache oder einen Menschen einzutreten, und sagtet euch dann: Andere können es besser tun, man braucht mich nicht, und gingt eures Weges weiter.

Darum redet der Herr zu uns in diesem furchtbar ernsten Gleichnis und warnt uns davor, daß wir nie uns durch dieses "Auf dich kommt’s ja nicht an" betören lassen, sondern einfach handeln als die Menschen, die ihre Pflicht tun im Geiste Gottes und unseres Herrn überall, wo Menschenpflicht zu erfüllen ist, daß wir alle etwas für das Reich Gottes schaffen.

Finsternis und Ketten warteten des armen Knechtes, der als ein gut unnützer Mensch dahinlebte und schuldig war, ohne es zu wissen. Das ist noch heute das Los derer, die ihm gleichen. Solange ein Mensch das Wollen in sich hat, Mithelfer zu sein für das, was im Geiste unseres Herrn hier gewirkt werden muß, und sich als ein Dienender fühlt, so ist er ein Sklave dem Geiste Christi, ein Freier der Welt gegenüber, und sein Leben ist vielleicht äußerlich schwerer, aber innerlich leicht und schön. Die Pflicht hält ihn aufrecht, und es ist Licht in ihm.

In dem Augenblick, wo er das Dienen aufgibt und nur noch leben will, erlischt das Licht. Er muß im Dunkel seinen Weg suchen und ist innerlich haltlos und ziellos den Versuchungen und den Schicksalen des Lebens ausgeliefert, nicht mehr frei, innerlich über den Dingen stehend, sondern mit tausend Fesseln in das verstrickt, was das Leben ihm trügerisch als Lust und Glück und Befriedigung hinhält.

Ihr seht genug von solchen Sklavenexistenzen um euch und wißt genug, wie schwer den Menschen, die sich das Leben äußerlich erleichtert haben, das Leben innerlich fällt. Die Angst davor halte uns wach, daß wir dem verderblichen Sprüchlein "Auf mich kommt’s nicht an" nie unterliegen, sondern es durchschauen als die, welche sich danach sehnen, etwas von dem geheimnisvollen Worte "Mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht" [Mt.11,30] in ihrem Leben kosten.

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