Ralph Eid, Landschaftsarchitekt

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Windbruch

Geld

Die folgenden Gedanken sind in gewisser Weise eine Fortsetzung, bzw. eine Ergänzung zum Thema 'Todeserfahrung'. Dort wurde bereits angedeutet, dass es durchaus viele Menschen gibt, die versuchen, das richtige zu tun, ohne sich über die inneren Zusammenhänge des Lebens, über die Verhältnisse des Diesseits und Jenseits, im Klaren zu werden, bzw. überhaupt sich Gedanken darüber zu machen. Die lieber mehr oder weniger pragmatisch handeln, weil Handeln zumindest auf kurze Sicht mehr Aussicht auf Erfolg hat als Nachdenken und Situationsanalysen. Das gilt besonders in Situationen, wo man das Gefühl hat, die Zeit läuft einem davon. Jedes Zögern könnte den Gang der Ereignisse nur verschlimmern, wer jetzt nicht handelt, wird später keine Gelegenheit mehr dazu haben. Besonders aktuell ist diese Einschätzung in bezug auf die Klimaerwärmung, wo jeder Aufschub notwendiger Maßnahmen nicht wieder gut zu machende Folgen hat.

Trotzdem, so scheint es mir, wäre es wichtig, sich mehr Gedanken zu machen, um sich über die Zusammenhänge und damit über die Folgen des doch eigentlich gut gemeinten Tuns im Klaren zu werden, bevor man Entwicklungen in Gang bringt oder, wie in unserem Beispiel, fördert, die nicht mehr rückgängig zu machen sind. Das Beispiel, um das es hier geht, betrifft die Photovoltaikanlagen, die überall wie Pilze aus dem Boden sprießen, und die doch, wie es scheint, ein wichtiger Beitrag sind, von den klimaschädlichen, CO2-produzierenden Techniken wegzukommen. Man ist leicht geneigt, sich über die Nachteile und Risiken keine oder nur am Rande Gedanken zu machen, weil doch das so überaus wichtige Ziel - die Aufhaltung der Klimaerwärmung - im Vordergrund steht und alle kleinlichen Einwände quasi automatisch aus dem Weg fegt. Dabei soll es hier nicht um die Anlagen auf Dächern gehen, da das höchstens ein ästhetisches Problem ist, das jeden Besitzer persönlich betrifft und das daher auch jeder selbst entscheiden sollte. Von einem darüber hinaus gehenden allgemeinen Interesse sind die Anlagen in der Landschaft, da sie Auswirkungen haben, die auch andere Lebensbereiche betreffen. Die Fläche der Erde ist begrenzt. Das klingt banal; dennoch kann man manchmal den Eindruck gewinnen, als ob sich der eine oder andere dieser Tatsache nicht bewusst ist oder sie absichtlich verdrängt. Eine Fläche, die auf eine bestimmte Weise genutzt wird, kann in der Regel nicht gleichzeitig auf eine andere Weise genutzt werden. Das gilt besonders für die harten Bauweisen wie Straßen, befestigte Flächen oder Gebäude, die man nicht so ohne weiteres umackern kann, um eine andere Nutzung zu beginnen. Bei den Photovoltaikanlagen wähnt man sich auf der sicheren Seite, weil die Pachtverträge für die Äcker i.d.R. auf 20 Jahre begrenzt sind und danach aktiv verlängert werden müssen. Falls also die Flächen nach dieser Zeit wieder für andere Bewirtschaftungsmethoden gebraucht werden, kann man die Anlagen samt Infrastruktur einfach abbauen und schon ist die heile Welt wieder in Ordnung. Kein Grund zur Besorgnis also. Darüber hinaus wird hier ja saubere Energie erzeugt, und - was ebenfalls nicht vergessen werden darf - der Boden kann sich nach Jahren der intensiven Dünger- und Pestizidbelastung endlich wieder erholen. Man freut sich auf die extensive Wiese, die sich schon bald auf dem geschundenen Boden ausbreiten darf. Es wird keine Erosion mehr geben, wo früher jeder Platzregen Tonnen von wertvollem Ackerboden in die Straßengräben gespült hat. Und vielleicht werden schon bald Schafe unter den Solarpaneelen grasen, was die gefühlte Idylle perfekt macht. Wie zu den Zeiten, als der Mensch nur das der Natur entnommen hat, was sie freiwillig gab, und sie nicht nach kostenminimierten und gewinnoptimierten Grundsätzen ausbeutete. Auch wenn man sich bereits bei geringer Denkleistung eingestehen müsste, dass diese Art der extensiven Nutzung mit zunehmender Bevölkerungsdichte unrealistisch ist, weil es etwas anderes ist, wenn nur ein paar Millionen Homo sapiens die Erde bevölkern, oder wenn wie heute fast 10 Milliarden ihren Platz auf unserem Planeten suchen.

Mir erscheint diese Art der Betrachtung recht naiv und einseitig. Es geht hier nicht in erster Linie um Ökologie oder saubere Energiegewinnung. Es geht in erster Linie um Geld. Um Geld, das Gewinn bringen soll, so wie die Banken (an deren Kompetenz die Ereignisse des letzten Jahres 2008/2009 eigentlich gewaltig gerüttelt haben sollten) uns immer wieder weis machen wollen: Geld arbeitet im Verborgenen für uns und vermehrt sich gewissermaßen von selbst. Was zwar nicht stimmt, weil es immer Menschen sind, die sich um die "Vermehrung" kümmern. Dennoch ist ein gewisser Automatismus in diesem Geschehen nicht zu übersehen. Der ist aber keineswegs situationsbedingt, sondern hat mehr mit menschlichen Schwächen zu tun. Was passiert in zwanzig Jahren, wenn eine entsprechend große Anzahl von Anlagen installiert ist und damit viel Kapital gebunden ist? Die Anlagen sind dann zwar abgeschrieben, und einen gewissen Gewinn haben sie auch bereits abgeworfen, aber der richtig große Gewinn steht dann erst bevor. Alles, was nach dieser Zeit ins Netz eingespeist wird, ist nicht mehr mit Investitionskapital behaftet, d.h. jede erzeugte kWh fließt ungebremst in die Tasche des Betreibers. Und wenn er clever ist und sich an gewissen Abschreibungsmodellen beteiligt, braucht er von diesem Gewinn auch nur marginal Steuern zu zahlen. Er wird also ein großes Interesse daran haben, die Anlagen auch weiterhin zu betreiben. Und er wird nicht alleine sein mit seinen Wünschen. In zwanzig Jahren wird es viele solche Anlagen geben, die von Privatpersonen bis hin zu großen Konzernen betrieben werden. Es wird eine starke Lobby entstanden sein, die alles daransetzen wird, um die Laufzeiten zu verlängern. Man kennt das ja bereits von den Atomkraftwerken. Man braucht kein Spezialist zu sein, um die weiteren Folgen zu überschauen. Wer sich nur ein bisschen in marktwirtschaftlichen Zusammenhängen auskennt, der weiß, wohin die Entwicklung führt: Die Grundbesitzer wollen auch ein Stück vom großen Kuchen abhaben, und die Pachtverträge gerne verlängern, aber natürlich zu höheren Preisen. Das wird generell dazu führen, dass landwirtschaftliche Nutzflächen im Wert zunehmen. Alles, was darauf wächst, wird ebenfalls von den steigenden Kosten betroffen sein. Die Entwicklung, die jetzt schon längst begonnen hat durch den Anbau von nachwachsenden Rohstoffen für die Gewinnung von Biodiesel oder Ethanol, wird sich weiter fortsetzen. Die Nahrungsmittelpreise steigen, der Hunger in der Welt wird größer. Die Flächen für die Nahrungsmittelproduktion werden sich verringern, was zu einer weiteren Intensivierung führt. Und da in unserem Wirtschaftssystem das Geld und nicht die Vernunft die Richtung bestimmt, werden die Nahrungsmittel teurer und irgendwann für viele nicht mehr bezahlbar. Auch das ist bereits heute schon in der Tendenz zu sehen.

Geld hat eine eigene Dynamik, wenn es nicht von der Vernunft gesteuert wird. Die beste Idee kann in ihr Gegenteil umschlagen, wenn man damit Geld verdienen kann. Und sie wird es ganz sicher, sobald nur noch das Geld daran beteiligt ist. Geld bewegt sich jenseits von Moral und Anstand, wenn nicht der Mensch, der damit umgeht, von Moral und Anstand geleitet wird. Deshalb werden alle Bemühungen, eine bessere Welt zu schaffen, scheitern, die nur die technischen Möglichkeiten im Vordergrund sehen. Nur wenn der Mensch sich ändert, werden sich auch die äußeren Verhältnisse ändern. Es ist illusorisch zu glauben, man könne die Menschen zum "Guten" bekehren, indem man ihre Lebensverhältnisse verbessert.

Januar 2010 (s. a. die Überlegungen zum Thema Freiheit)

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