Ralph Eid, Landschaftsarchitekt

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Leben als Wirklichkeit

Wer bereit ist, die Dinge auf sich wirken zu lassen, der hat im Garten eine optimale Möglichkeit, tiefe Einsichten über das Leben zu erfahren. Obwohl der Garten gemachte Natur ist, sind die Prozesse, die hier ablaufen, die gleichen wie in der ungestörten Natur. Im Garten hat der Beobachter den Vorteil, dass er jederzeit die Möglichkeit hat, hinzuschauen. Die Nähe zu den Dingen bietet die Gelegenheit, jede kleine Veränderung zu registrieren und mitzuerleben. Der Stein, der sich mit Flechten und Moosen überzieht, das Holz, das langsam vermodert und die schönsten Pilze hervorwachsen lässt, das Blatt, das im Herbst stirbt und am Boden wieder zu fruchtbarer Erde wird - wer nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mit seinem Gefühl erspürt, wie das Leben die Erscheinungen durchfließt, dem erschließen sich geheimnisvolle Weisheiten.

Moos im Pflaster

Auf akkurat gepflasterten Terrassen und Einfahrten ist Moos ein Störenfried. Der schöne hölzerne Gartenzaun oder die Pergola, die vom Wurm zerfressen werden, provozieren die erbittertste Kampfansage an alles, was sich nicht dem Ideal des Menschen unterordnen will. Das Laub, das den Rasen erstickt und das Pflaster beschmutzt, ist Dreck, der nur Ärger bereitet. Wenn ich meine Umwelt als Feind ansehe, kann ich kein Verständnis für sie entwickeln. Deshalb kann das rechte Verständnis nur in einer Atmosphäre gedeihen, wo man sich nicht ständig sorgen muss, dass das, was man als sein Eigentum verteidigen will, von der Umwelt zerstört wird. Auf einer Pflasterfläche aus groben Natursteinen fällt - im Gegensatz zu einer aus geschliffenen Fliesen - ein Fremdkörper nicht auf. Eine Pflanze, die sich mühsam ihren Platz in einer Fuge erkämpf hat, wirkt im Kopfsteinpflaster ästhetisch und gehört einfach dazu - zwischen Platten aus gesägtem Granit hat sie nichts zu suchen. Die Art der Gestaltung bestimmt in hohem Maße, wie sich meine Einstellung der Natur gegenüber entwickelt. Der Mensch wirkt auf die Umwelt, aber die Umwelt wirkt auch auf den Menschen zurück. So rächt sich eine feindliche Einstellung, weil die Seele arm bleibt. Sie hat gar nicht die Möglichkeit, etwas vom Wesen der Natur mitzuerleben, weil die Natur in ihrer Vorstellung keinen Platz hat. Den kümmerliche Rest einer Sehnsucht, die sie sich vielleicht noch bewahrt hat, muss sie auf Wochenendausflügen oder im Urlaub ausleben.

Ganz anders ist die Situation in einem Garten, wo Leben nicht nur geduldet, sondern liebevoll herbeigesehnt wird. Das Blatt, das am Baum stirbt, nimmt weiter Teil am Leben. Der Stein, der von Moosen und Flechten überzogen wird, ist nicht tot. Er verwittert und wird irgendwann selbst zu fruchtbarer Erde. Auch der Stamm, der vermodert, ist nicht tot. Er lebt nur anders als zu seiner Zeit als Baum. Der Tod ist nicht wirklich. Er besteht nur in unserer Einbildung. In der Natur ist alles Leben, das von Erscheinung zu Erscheinung fließt und nie endet. Vielleicht kann ja aus dieser Beobachtung ein Lichtschein auf eine viel tiefere Erkenntnis fallen, die unsere materielle Gesellschaft fast schon ausgelöscht hat: die Gewissheit von der Unsterblichkeit der Seele.

Schöner als ich das jemals können werde, hat Albert Schweitzer diese Einsicht formuliert und daraus seine Philosophie der Ehrfurcht vor dem Leben entwickelt: "Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will...wie aus nie verdorrender Wurzel schlägt fort und fort lebendige, auf alle Tatsachen des Seins eingehende Welt- und Lebensanschauung aus ihm (aus diesem Satz, Anm. d. Verf.) aus. Mystik ethischen Einswerdens mit dem Sein wächst aus ihm hervor." (Kultur und Ethik: Die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben)

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