Ralph Eid, Landschaftsarchitekt

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Kreisverkehr in Pocking

Lebensanschauung

Riesel als Mulch Iris und Wiesensalbei Das Thema Staudenpflanzung im öffentlichen Grün, speziell auf Verkehrsinseln oder verkehrsnahen Flächen wurde bereits in der dritten Ausgabe der Grünen Impressionen behandelt. Damals ging es – entsprechend meiner persönlichen Intention – mehr um das beabsichtigte Verständnis für die Lebenswirkungen lebendigen Grüns. Diesmal soll es um mehr profane Dinge wie Bodenvorbereitung, Kosten oder Pflegeaufwand gehen.
In unserer Zeit werden an den Grünplaner in erster Linie Forderungen bzgl. der Kosten und der Pflegeleichtigkeit gestellt. Die Fälle sind selten, wo der ästhetische Wert einer Bepflanzung im Vordergrund steht, was ja eigentlich das Hauptanliegen der Grünen Zunft darstellt. Wenn man sich diesem Diktat beugt, entstehen die zeitgenössischen Außenanlagen mit rechtwinklig aufeinander zulaufenden Linien und Achsen, ein paar Bäumen, viel Rasen und viel Beton und vermehrt auch Stahl zur Raumbildung und strukturellen Wirkung.
Nicht, daß diese Anlagen keine Pflege bräuchten. Im Gegenteil braucht ein schöner, repräsentativer Rasen viel Pflege, von der Bewässerung über die Düngung bis zum regelmäßigen Schnitt. Allerdings sind das alles Tätigkeiten mit erheblichem Rationalisierungspotenzial. Die Bewässerung kann man automatisieren (nicht von ungefähr wächst der Markt für Bewässerungssysteme überproportional), Düngung und Schnitt ebenfalls. Größere Maschinen sparen Zeit und damit Arbeitskosten, sie erfordern aber auch entsprechend gestaltete – maschinengerechte – Anlagen. Weiterer Vorteil ist, daß jeder Hausmeister mit dieser Art Pflege zurechtkommt – gut ausgebildete Fachleute mit adäquaten Lohnvorstellungen sind nicht mehr nötig.
Man glaubt, abwägen zu müssen zwischen einer schönen, abwechslungsreichen und damit pflegeintensiven Anlage oder einer einfachen, dafür aber pflegeleichten. Glücklicherweise gibt es Fälle, wo ein "sowohl – als auch" erreicht werden kann. Pyrenäen-Aster und Atlas-Schwingel

In den letzen Jahren sind bei den gärtnerischen Lehr- und Versuchsanstalten vermehrt Versuche zu eben diesem Thema durchgeführt worden. Man hat sich auf durchlässige, magere und trockene Substrate konzentriert, z.B. Bauschutt, reiner Kies oder stark mit Kies vermischten Oberboden. Nach Regenfällen trocknen diese Böden rasch ab, weil durch den hohen Grobporenanteil das Wasser schnell versickert. Die gängigen Problemunkräuter wie Quecke oder Giersch, die auf eine gleichmäßige Wasserversorgung angewiesen sind, haben auf diesen Standorten wenig Überlebenschancen. Dagegen gibt es eine Vielzahl von Blütenstauden, die von Natur aus auf trockenen Standorten wachsen und daher auch auf diesen Extremflächen überaus vital sind, ohne daß sie in Trockenperioden gegossen werden müssen. Damit auch Samenunkräuter keine Probleme bereiten können, werden die Flächen mit Splitt oder Riesel gemulcht; die Mulchschicht trocknet noch schneller ab und bietet dadurch für anfliegenden Samen nur geringe Keimmöglichkeiten. Zudem reduziert sie die Verdunstung der darunter liegenden Boden- oder Substratschicht. Bei sorgfältiger Auswahl der Pflanzenarten kann mit diesen Begrünungstypen ein von Februar bis November durchgehender Blütenaspekt erreicht werden, wobei die Blüte nicht das einzige Kriterium zur Beurteilung der ästhetischen Wirkung ist. Fast gleichberechtigt ist die Wirkung, die auf dem Erscheinungsbild der einzelnen Arten beruht. Die Vielfalt an unterschiedlichen Wuchshöhen, Wuchsformen oder Blattstrukturen mit vielen verschiedenen Grüntönen bietet allein schon eine ganzjährig adrette Erscheinung. Sogar im Winter ist die Strukturwirkung der verwelkten Kräuter noch überraschend hoch. Wenn dann und wann die welken Stängel und Blütenstände von Rauhreif überzogen sind und in der Wintersonne glänzen, könnte man fast meinen, der Winter möchte den Sommer an äußeren Reizen noch übertreffen.

Dazu kommt ein weiterer Aspekt, der nur bei Stauden-Pflanzungen so deutlich zu beobachten ist: Es sind die Lebensprozesse der Pflanzen – Wachstum und Sterben, Werden und Vergehen – , die hier die äußere Erscheinung in hohem Maße mitbestimmen. Im Spätwinter nach dem Rückschnitt ist die Fläche kahl und leer; ab Februar oder März sprießen die ersten zaghaften Triebe und langsam füllt sich der Raum. Doch bereits im Juni sind die Pflanzen so dicht zusammengewachsen, daß man keinen Boden mehr zwischen den Pflanzen erkennen kann. Im Sommer stagniert die Entwicklung für eine kurze Zeit, und dann beginnt schon wieder der Rückzug in den Boden. Statt der Wachstumsprozesse treten nun die Reifeprozesse in den Vordergrund. Beinahe von Woche zu Woche, bestimmt aber von Monat zu Monat bietet das Beet ein anderes Erscheinungsbild, und zwar nicht nur durch die veränderten Blütenfarben, sondern allein schon durch die schnelle vegetative Entwicklung.

Diese Art der Begrünung wird i.d.R. als sog. Staudenmischpflanzung ausgeführt, d.h. die einzelnen Arten oder Sorten werden in kleinen Gruppen über die ganze Fläche verteilt, ohne daß ein bestimmtes Schema erkennbar ist. Aufgrund dieser Vielfalt im Erscheinungsbild fällt es nicht weiter auf, wenn sich einmal Unkräuter eingeschlichen haben. Auch wenn der dann erforderliche Pflegegang erst Wochen oder Monate später erfolgt, sieht die Bepflanzung in dieser Zeit nicht unordentlich aus. Ganz anders ist das bei den klassischen Gruppenpflanzungen, bei denen mehrere Quadratmeter mit der gleichen Art mehr oder weniger geometrisch bepflanzt sind. Dort fällt jeder Grashalm, der nicht dorthin gehört, wegen der gleichförmigen Erscheinung der Bepflanzung sofort ins Auge. Entsprechend kurzfristig muss dort also auch die Pflege erfolgen. Bei vergleichenden Untersuchungen an Hochschulen und Landesanstalten mit Bonituren zu den unterschiedlichen Jahreszeiten und –aspekten konnte ein klarer Vorteil der Mischpflanzungen gegenüber Flächenpflanzungen aus einer Art (Bodendeckerpflanzung) festgestellt werden.
Steppenkerze und Schafgarbe Das hier vorgestellte Beispiel befindet sich in Pfarrkirchen auf dem Mittelstreifen einer Einfallstraße. Es handelt sich um zwei Teilflächen von 140 qm und 50 qm. Auf den lehmigen Boden wurde zur Abmagerung eine dicke Schicht Riesel aufgebracht und eingefräst. Gepflanzt wurden ca. 1000 Stauden und 4000 Blumenzwiebeln, um bereits ab Ende Februar/Anfang März einen ersten Blütenaspekt zu erhalten. Die Pflanzflächen wurden daraufhin mit einer Splittauflage von ca. 8 cm abgedeckt. Wegen einer Hitzeperiode kurz nach der Bepflanzung im Frühjahr 2006 musste ein- oder zweimal gewässert werden, ansonsten wurde seitdem nicht mehr gegossen. Schleierkraut und Prärielilie Außer dem Rückschnitt der Stauden im späten Winter sind bis jetzt keine Pflegemaßnahmen angefallen, abgesehen von einem Rückschnitt nach der Blüte bei einigen Arten, was aber nicht zwingend notwendig wäre. Der Rückschnitt vor Vegetationsbeginn kann mit einem Rasenmäher oder Motorsensen erfolgen, so daß hierfür keine ausgebildeten Pfegekräfte notwendig sind. Von den Versuchsanstalten werden Pflegezeiten von 3 bis 4 Minuten pro Quadratmeter im Jahr angegeben.
Externe Kosten sind in diesem speziellen Fall lediglich für die Pflanzen in Höhe von ca. 2000 € und für Riesel und Splitt von zusammen ca. 400 € angefallen, da die Arbeiten vom städtischen Bauhof durchgeführt wurden. Bei einer kompletten Vergabe an Firmen hätte diese Maßnahme je nach den örtlichen Voraussetzungen zwischen 3000 und 5000 € gekostet, was einem Quadratmeterpreis in Höhe von 16 bis 26 € entspricht. Anaphalis und Aster pyrenaeus 'Lutetia'
Obwohl an das Pflegepersonal keine hohen Anforderungen gestellt werden, sollte eine solche Pflanzung von erfahrenen Fachleuten begleitet werden. Manche Pflanzen entwickeln sich aufgrund der lokalen Gegebenheiten (Boden, Sonneneinstrahlung, Niederschlagswerte) schlechter als erwartet und müssen nach einigen Jahren vielleicht ausgetauscht werden. Manche dagegen breiten sich möglicherweise gerade wegen der lokalen Gegebenheiten stärker aus als erwartet und müssen entsprechend dezimiert werden. Wieder andere säen sich u.U. stark aus. Auf alle diese Entwicklungen muss behutsam reagiert werden, und zwar bevor die Wirkung so stark ist, dass sie auch einem Laien auffällt. Zu jenem Zeitpunkt ist eine behutsame Reaktion i.d.R. überhaupt nicht mehr möglich, was dann zu einem erheblichen finanziellen, bzw. Arbeitsaufwand führen kann.

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