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Seerose

Leidenschaften

Der Lotos gilt in Indien als heilige Blume. Schon allein seine imposante Gestalt mit den riesigen Blättern und den herrlichen Blüten wecken Verständnis für die Verehrung, die ihm entgegegebracht wird. Wir Europäer haben nur einen Abglanz dieser majestätischen Erscheinung in der Seerose. Trotz allem ist das Gleichnis, von dem Lotos und Seerose erzählen, das gleiche.

Die Seerose gedeiht in Verlandungszonen flacher sonniger Gewässer, wo das Wasser steht oder nur langsam fließt und daher recht warm ist. "Verlandungszone" ist ein harmloses Wort, das nichts über die tatsächlichen Verhältnisse aussagt. In Wirklichkeit ist das der Ort, wo der Müll der Natur abgelegt wird: abgestorbene Pflanzenteile, vom Sturm gefällte Bäume, die sich im Faulschlamm zu Schlick und Humus zersetzen. Von Faulgasen erstickte Fische und Kadaver, die ebenfalls im Laufe der Jahre und Jahrzehnte in ihre Ursprungssubstanzen zurückverwandelt werden, zersetzt von niederen Organismen, die das Licht der Sonne scheuen. Ein brodelndes, ursprüngliches, aber kaum differenziertes Leben, wie das bei einem höheren Organismus der Fall ist. Der Ort erinnert ein bißchen an die vielbeschworene "Ursuppe", in der alles Leben seinen Ausgang genommen hat und in den es am Ende wieder zurückfließt. In diesem Schlamm des Lebens wurzelt also die Seerose. Sie nimmt zwar ihre Nahrung daraus, aber sie ist kein Teil davon. Sie schafft es, das unorganisierte Leben zu überwinden und in ihrer Blüte den Beweis anzutreten, daß der das Leben organisierende Geist nicht vom Morast befleckt wird. Es scheint, als ob die Sonne als Spenderin dieses Wunders die Blüte nach oben zieht und sie immer wieder sorgfältig und liebevoll verschließt, wenn sie für kurze Zeit eine Ruhepause macht.

Was der Morast für die Natur, das sind beim Menschen die niederen Triebe und Leidenschaften, alles das, was im Unbewußten wurzelt und kaum an die Oberfläche der Gedanken dringt, was aber nichtsdestoweniger seine ursprüngliche Kraft entfaltet. In diesen Trieben und Leidenschaften ist der Mensch noch Tier, das sich keine Rechenschaft ablegt über die Hintergründe seines Tuns und Handelns. Es ist nicht mehr als urtümlicher Instinkt.

Wie die Seerose zeigt, ist es der Geist, der die Abgründe überwindet und sich zum Licht und zum Bewußtsein seiner selbst hervorarbeitet. Die Blüte des Geistes kann sich nur entfalten, wenn alles, was als Instinkt ein Relikt der Entwickelung ist, überwunden wird. Auch wenn die Wurzeln den Morast nicht verlasseen können, weil das der Tod der ganzen Pflanze bedeutete, so ist doch der Geist frei von allem, was fesselt an ein Leben, das sich selbst genügt, das nur leben will, ohne sich selbst bewußt zu sein.

2003

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