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Alhambra in Spanien

Leben erleben –
Eine kleine Philosophie des Gartens

Persische Gärten

Das alte persische Reich entstand auf einer Hochebene im Iran, die sich von etwa 1000 bis 1500 m Höhe erstreckt. Dort herrschte ein wüstenähnliches Steppenklima, also eher lebensfeindliche Bedingungen, die man nicht unbedingt mit der Ausbildung einer der ersten Hochkulturen der Menschheit in Verbindung bringen würde. Die Winter waren sehr kalt, die Sommer heiß und trocken. Der Übergang vom Nomadentum zur sesshaften Lebensweise war demnach mit großen Anstrengungen verbunden, die den Menschen enorme Opfer abverlangten.

Vorraussetzung für die Kultivierung des Landes waren sog. Quanate (http://de.wikipedia.org/wiki/Quanat), das sind unterirdische Kanäle in einer Tiefe von 20 bis 200 m und bis 16 km Länge, die für die Bewässerung der landwirtschaftlichen Felder gegraben wurden. Sie beziehen ihr Wasser aus nahegelegenen Bergen, wo Grundwasser in höheren Horizonten als in der Hochebene ansteht. Ihre Entstehung geht bis 5000 v. Chr. zurück.

Die frühesten Gärten waren Wüstenoasen, die zum Schutz vor Sandstürmen und wilden Tieren von Zäunen und Mauern umgeben waren. Sie waren geprägt von Wasser und Bäumen als lebensspendende Elemente. In einem heißen Klima sind Bäume zum Schutz vor Hitze nach dem Wasser das wertvollste Gut.

Das älteste Zeugnis persischer Gärten stammt aus der Zeit um 550 v. Chr. aus Pasargardae, der Residenz von Kyros II. Gebäude und Garten waren als Gesamtanlage konzipiert. Entsprechend der Anbindung an die Gebäude herrschte eine rechtwinklige Struktur vor; die Haupt- und Seitenachsen waren als Wasserläufe ausgebildet, die ein vierteiliges Grundmuster prägten. Darin eingegliedert waren Becken, Spazierwege, Terrassen und Pavillons für private und herrschaftliche Zwecke. Bei größeren Anlagen gehörten außerhalb auch Jagdgebiete und Obstgärten dazu. Die Pflanzenauswahl im Inneren bestand vorwiegend aus Obstbäumen, die mit Blumen unterpflanzt waren. Diese Art der Anlage weist viele Ähnlichkeiten mit der ägyptischen Form auf.

Kyros war ein Befürworter Zarathustras, der die Kultivierung der Erde als oberste Pflicht ansah. Als Priester Ahura Mazdas begründete er eine der ersten monotheistischen Religionen. Er lehrte eine Religion des Kampfes zwischen Gut und Böse, an dem auch die Menschen beteiligt sind. Ihnen wird die Entscheidung abverlangt, welcher Seite sie sich zuwenden wollen. Hier existiert bereits die Unterscheidung zwischen Paradies, bzw. Himmel und Hölle, und auch eine Parallele zur späteren christlichen Lehre vom Jüngsten Gericht und zur Eschatologie im Islam ist unverkennbar. Manche auch heute noch aktuelle weltanschauliche Aspekte können bis ins alte Persien Zarathustras zurückverfolgt werden. Immerhin waren die Juden lange Zeit in persischer Gefangenschaft, und das spätere christliche Weltbild ist vom alten Testament nicht zu trennen. Die Aufgabe, die wilde Natur zu zähmen, ist immer die gleiche, wenn auch die Wortwahl eine andere ist. Das alttestamentliche 'Macht euch die Erde untertan' ist nur eine Facette einer über Jahrtausende bestehenden Sichtweise gegenüber der Natur.

In Wikipedia heißt es: "Das Reich des Ahura Mazdas steht am Ende des Kampfes zwischen Gut und Böse. Ein Weltgericht wird stattfinden, das die Bösen bestrafen und die Guten belohnen wird. Und dereinst, wenn die Welt untergeht, wird das Jüngste Gericht stattfinden, der böse Geist verschwinden und ein neues, ewiges Reich des Ahura Mazdas entstehen. Grundlagen dieser Vorstellungen lassen sich schon in der Urzeit nachweisen, als die Iranier mit den stammverwandten Indern noch ein einziges Volk bildeten, so namentlich die Namen der sechs guten Geister, der Name der Lüge (im Zendavesta Drudsch, in den Wedas der Inder Druh, das deutsche Trug) etc.

Ahura Mazda entspricht dem Wesen nach dem indischen Varuna und wird mancherorts als ein Reflex des Himmelsgottes verstanden, der schon von den Indoeuropäern verehrt wurde. Auch der Kampf zwischen den guten Mächten des Lichts und den bösen der Finsternis und der Trockenheit ist eine uralte Vorstellung. Er wurde im Iran potenziert, indem die letzteren unter ein Oberhaupt gestellt und dieses mit einem ähnlichen Hofstaat wie das Oberhaupt der guten Schöpfung umgeben wurde." (http://de.wikipedia.org/wiki/Zoroastrismus)

Die Tatsache, dass Finsternis mit Trockenheit gleichgesetzt wird, belegt wiederum, dass die religiöse Weltanschauung das Denken durchgehend prägt. Die Anlage von Wasserbecken wird also kaum rein zweckorientiert gewesen sein, wie man sich das nach heutigem Denkmuster gerne vorstellt. Dann hätte es gereicht, Brunnen zu bauen und Bäume daneben zu pflanzen. Alles was über die reine Zweckmäßigkeit hinausgeht, also die künstlerische Ausgestaltung, kann nicht mehr auf diese simple Weise erklärt werden. Eher war das bereits ein erster bescheidener Sieg über die Mächte der Finsternis. Auch die rechtwinklige Form der Wasserbecken wie der gesamten Anlage resultiert aus der Anschauung, dass die 'wilden' Formen der Natur einer höheren Ordnung bedürfen. In diesem Sinne kann man auch die Mauern als Bollwerk gegen die Mächte der Finsternis auffassen, die in der (wilden) Natur ihr Unwesen treiben.

Die persische Bezeichnung für Garten lautet pairidaeza, was soviel heißt wie: von Mauern umgeben. Xenophon übersetzte das Wort ins griechische als paradeisos, die griechische Bezeichnung für den Garten Eden. Im 7. Jahrhundert übernahmen die Araber die Herrschaft in Persien. Damit erhielten die Gärten eine am Koran ausgerichtete spirituelle Dimension: sie wurden mit dem Paradies gleichgesetzt. Die Grundzüge der Gestaltung blieben aber auch im Islam erhalten.

Der Koran beschreibt das Paradies wie einen großen Garten: "In ihm sind Bäche von Wasser, das nicht verdirbt, und Bäche von Milch, deren Geschmack sich nicht ändert, und Bäche von Wein, köstlich für den Trinkenden; und Bäche von geklärtem Honig; und in ihnen allerlei Früchte und Verzeihung von ihrem Herrn."

Wie nah beieinander das Paradies, bzw. ein idealer Garten liegen, zeigt u.a. der Erfolg der Assassinen, die ab Mitte des 11. Jahrhunderts eine radikale Sekte bildeten, die Mordkommandos aussandten, um unliebsame politische und religiöse Führer auszuschalten. Zur Rekrutierung der Attentäter, meist Jünglinge im Alter zwischen 12 und 20 Jahren, wurden diese mit Schlafmitteln betäubt. Man brachte sie dann in den Garten des Scheichs, wo sie in einem prachtvollen Palast, umgeben von lieblichen Mädchen und mit allem versorgt, was zum leiblichen Wohlergehen notwendig ist, aufwachten. Ihnen wurde auf diese Weise eine Illusion vom Paradies vorgegaukelt, in das sie nach erfolgreichem Attentat mit Sicherheit aufgenommen würden.

Generalife in Granada
Generalife von Peter Lorber - Eigenes Werk
Lizenziert unter CC BY-SA 2.5 über Wikimedia Commons

Auf der iberischen Halbinsel sind aus der Zeit der maurischen Herrschaft vom 8. bis zum 15. Jahrhundert auch in Europa noch islamische Gärten erhalten. Die bekanntesten sind in der Alhambra in Granada zu finden, die seit 1984 Weltkulturerbe ist.

In allen Beschreibungen von persischen, bzw. maurischen Gärten sind die Gärten mit duftenden Blumen und exotischen Vögeln ausgestattet, was auf eine üppige Bepflanzung hindeutet. Man kann sich eine gute Vorstellung von den charakteristischen Eigenschaften dieser Gärten machen, wenn man sie den europäischen barocken Gärten gegenüberstellt. Auf der einen Seite ein geschlossenes, von Mauern bzw. Gebäuden umgebenes grünes Areal, in dem man sich geborgen fühlt - sozusagen ein paradiesisches Ambiente. Als Zentrum das lebensspendene Wasserbecken, um das herum dichtes Grün wächst, das wiederum von Mauern, bzw. den Gebäuden umgeben ist. Auf der anderen Seite die barocke Monumentalarchitektur mit dem Schloss als Schwerpunkt, und daran anschließend riesige leere Kies- oder Rasenflächen und Sommerblumenrabatten mit großem Abstand zu den Gebäuden oder den Randbepflanzungen. Keine Spur von Geborgenheit - als einzelner Mensch kommt man sich hier eher verloren vor; höchstens in der Masse der Gesellschaft, als einer von vielen Untertanen um den absolutistischen Herrscher geschart, hat das Mensch-Sein eine Bedeutung.

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