Ralph Eid, Landschaftsarchitekt

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Blütenstauden an der Stadthalle Pfarrkirchen

Staudenbeete

Dreiblattspiere, Pfingstrose und Storchschnabel An dieser Stelle wurde vor einigen Jahren eine Staudenmischung favorisiert, die in Veitshöchheim an der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau entwickelt wurde und unter dem Namen 'Silbersommer' deutschlandweit Nachahmer gefunden hat. Ziel war es, einfach zu pflegende und trotzdem attraktive und dauerhafte Staudenflächen für das öffentliche Grün anzubieten. In Pfarrkirchen ist auf einer Verkehrsinsel in der Südeinfahrt eine solche Fläche entstanden.
Da die Pflanzen bei dieser Mischung willkürlich, d.h. ohne Pflanzplan bzw. ohne festes Schema platziert werden, fehlt hier eine klare Struktur. Einmal gepflanzt, sind diese Flächen schön grün und farbig, können aber auch in ein buntes Durcheinander ausarten. Manche Pflanzen wie die Witwenblume säen sich aus und verbreiten sich gleichmäßig über die ganze Fläche. Andere kümmern, weil man übersieht, dass Pflegeleichtigkeit nicht mit Pflegelosigkeit verwechselt werden darf. Austrieb Astilben Die Fetthennen z.B. brauchen hin- und wieder eine Düngergabe, damit sie nicht verhungern. Gerade auf den trockenen, mageren Kiessubstraten ist eine regelmäßige Düngung besonders wichtig. Man kennt das von den extensiven Dachbegrünungen, wo auf reinem Ziegelsplitt die schönsten Polsterstauden gedeihen, ohne jemals gegossen zu werden. Sie werden allerdings ohne zusätzliche Düngung bereits nach wenigen Jahren schütter, weil ihnen die Nährstoffe, v.a. Stickstoff, fehlen.
Wo es mehr um hochwertige, anspruchsvolle Staudenpflanzungen geht, kommt man um ordnende Strukturen nicht herum, wobei Ordnung nicht etwa mit Symmetrie oder Geometrie gleichzusetzen ist. Ordnung bedeutet eine gewisse Ruhe im Erscheinungsbild einer Bepflanzung im Gegensatz zum bunten Durcheinander, wo eine Pflanze der anderen den Rang streitig macht und das Auge keinen festen Bezugspunkt findet. Camassia leichtlinii und Euphorbia polychroma Dazu werden einzelne Arten in kleineren oder größeren Gruppen angeordnet, wobei großer Wert auf feine Beziehungen der verschiedenen Arten untereinander gelegt werden. Da spielen beispielsweise Kontraste in den Blütenfarben gleichzeitig blühender Stauden eine wichtige Rolle, oder aber Ton- in Ton-Farbenspiele, je nach der angestrebten Stimmung oder dem Erscheinungsbild einer Kombination. Ebenso wichtig ist die Höhenstaffelung einer Staudenpflanzung, die einmal Tiefe und Weite oder aber Enge und Abgeschlossenheit vermittelt. Auch rhythmisch wiederholte Höhenstaffelungen lassen den Gesamteindruck interessanter erscheinen als eine lediglich farblich gegliederte, aber in der Höhe eintönige Zusammenstellung.
Trotz der ordnenden Struktur erwecken solche Bepflanzungen keineswegs den Eindruck steifer, zwanghafter Formen. Im Gegenteil: Wer ein Gespür für die feinen Zusammenhänge, Kontraste und Harmonien hat, der kann künstlerisch und trotzdem natürlich anmutende Grünflächen entstehen lassen. Einer der Vorreiter dieser neuen Art der Staudenverwendung ist Piet Oudolf, der weltweit hervorragende Gärten und Parks geschaffen hat. Die Bilder der Stadthalle in Pfarrkirchen auf diesen Seiten sind nur ein bescheidener Abklatsch dieser modernen Staudenkompositionen. Paeonia suffruticosa 'Hoki' mit Camassia leichtlinii und Euphorbia polychroma
Man darf nun selbstverständlich nicht erwarten, dass solch hochwertige Pflanzungen von angelerntem Pflegepersonal in einen optimalen Zustand gebracht und dann auch dort erhalten werden können. Ich liebe den Vergleich mit einem Auto, weil sich darin die heutigen Wertvorstellungen sehr deutlich spiegeln. Mein erstes Auto vor über 30 Jahren war ein Ford Fiesta. Mit einigen Grundkenntnissen, die man als Gärtnerlehrling im Deula-Kursus erhielt, war ich in der Lage, die meisten Pflege- und Wartungsarbeiten selbst durchzuführen: Mit einer einfachen Prüflampe konnte ich Zündzeitpunkt und Schließwinkel einstellen, defekte Teile konnten mit dem üblichen Werkzeug wie Schraubenschlüssel und Schraubendreher verhältnismäßig leicht ausgewechselt werden. Die Kupplung, die jedes Jahr von neuem defekt war, wurde durch Einschweißen eines kleinen Distanzhalters auf Dauer saniert. An die heutigen vergleichbaren Modelle kann man sich ohne Spezialkenntnisse und -werkzeug incl. elektronischer Einstellgeräte nicht heranwagen. Um so mehr gilt das für Mittel- und Oberklassemodelle. Man wäre entrüstet, wenn jemand einen Azubi ohne Anleitung mit der Wartung eines S-Klasse-Wagens betrauen würde.

Strauchpfingstrose 'Hoki' und Prärielilien Ähnlich verhält es sich mit hochwertigen Begrünungen. Vielleicht ist es dort sogar noch schwieriger, weil Pflanzen nun einmal lebendige Wesen sind und sich nicht so verhalten wie ein Zahnrad im Getriebe eines Motors, das man einfach austauscht, wenn es defekt ist. Es ist nun einmal nicht so, dass sich die gleiche Pflanze auf zwei leicht unterschiedlichen Standorten gleich verhält. Je nach Boden- und Lichtverhältnissen oder auch dem Ausbreitungsverhalten der Nachbarpflanzen wird sich eine Pflanzung nicht so entwickeln, wie man das vorhergesehen hat. Wenn man das frühzeitig erkennt, kann man u.U. mit geringem Aufwand entgegensteuern. Piet Oudolf schreibt dazu in seinem Buch "Neues Gartendesign": "Eine intime Vertrautheit mit Pflanzen ist unbedingt notwendig und auch die Einsicht, dass niemals etwas als absolut und unveränderlich zu betrachten ist. Gärtnern stellt einen Prozess dar, kein Endergebnis." Diesen Prozess begleiten kann am besten derjenige, der die Pflanzung entworfen hat, weil nur der die Gesamterscheinung "im Kopf hat", d.h. er sieht nicht nur, ob die einzelnen Pflanzen gut gedeihen, sondern darüber hinaus auch, ob die Komposition als ganzes sich so entwickelt wie vorgesehen. Möglicherweise stellt er auch fest, dass die Komposition an dieser Stelle den einen oder anderen Mangel aufweist und mit den örtlichen Verhältnissen nicht in allen Belangen harmoniert. Auch in solchen Fällen können durch geringe Eingriffe Fehler beseitigt werden, die sich ansonsten über Jahre hindurchziehen und eine an sich gute Planung in Misskredit bringen. Geranium 'Rosemoor', Paeonia und Gillenia trifoliata
Einen nahe liegenden Einwand möchte ich gleich vorwegnehmen. Man könnte sich auf den Standpunkt stellen, der Planer ist für Fehler, die er macht, selbst verantwortlich und hat die gefälligst auch im Rahmen seiner Gewährleistung zu beheben. Das ist gewiss richtig und soll auch nicht in Abrede gestellt werden. Trotzdem wird es immer wieder den Fall geben, dass eine Situation verbessert, sozusagen optimiert werden kann, was im Rahmen der Pflege ziemlich unproblematisch ist. Eine Pflanzung ist kein fertiges Produkt, das man einmal kauft und das dann auf absehbare Zeit seinen vorgesehenen Zweck erfüllt. Die Fachleute sind sich einig, dass eine Pflanzung weiterentwickelt werden muss. So spricht auch die VOB von "Entwicklungspflege", wenn es um die Pflege von Grünflächen geht. Wer an der falschen Stelle spart, muss sich ggf. mit Mittelmaß zufrieden geben, wo er für einen geringen Aufpreis exklusive Qualität erhalten könnte.
Dass auch ausgewiesene Fachleute nicht immer alles vorhersehen können, zeigt ein Zitat von Dipl.-Ing. Dieter Müller, Gartenamtsleiter der Stadt Würzburg im Zusammenhang mit den Silbersommer-Flächen: "Witwenblumen und Scabiosen werden oft zu dominanten Wildstauden im Beet." Das mag für Verkehrsbegleitgrün angehen, obwohl es auch dort nicht mehr dem ursprünglichen Ziel entspricht; für hochwertigere Bepflanzungen aber darf das nicht geduldet werden, sonst wäre das Geld für diese Maßnahmen quasi zum Fenster hinausgeworfen. Schließlich erhält man auch die einfache Silbersommer-Pflanzung nicht kostenlos.
Struktur eines Staudenbeetes Wenn man alle Kosten von der Bodenvorbereitung und -bearbeitung, über Pflanzen- und Pflanzungskosten bis hin zum Mulchmaterial und der Pflege in Betracht zieht, dann ist eine anspruchsvolle Pflanzung nicht etwa um ein vielfaches teurer, sondern lediglich um einen mehr oder weniger hohen Bruchteil, je nach Boden und Standort. Dafür erhält man statt einer Mischung aus angenehmen Tönen eine Symphonie. Man wird getragen durch die Jahreszeiten; in Erwartung des aufkeimenden Lebens im Frühjahr beginnt ein Prozess, der erst im Winter vorübergehend zur Ruhe kommt und dann immer wieder von neuem beginnt. Man erlebt den Rhythmus des Lebens mit: Geburt, Wachstum, Reife und Tod. ein Bild des Lebens in bewegten Formen und Farben. Dabei sind die Formen ebenso wichtig wie die Farben, weil sie die eigentlich prägenden Strukturen ausmachen, die von den Farben lediglich überlagert werden. Was das bedeutet, kann man sich an einem Schwarz-Weiß-Foto eines Staudenbeetes verdeutlichen: wenn die Farben fehlen, kommt die Struktur wesentlich deutlicher zur Geltung. Ein Staudenbeet gilt erst dann als wirklich gelungen, wenn bereits das Schwarz-Weiß-Bild eine ausdrucksstarke Erscheinung abgibt.
Die Fotos auf dieser Seite stammen alle von der Stadthalle in Pfarrkirchen, und zwar von Ende April bis Mitte Juli dieses Jahres, d.h. im zweiten Jahr ihres Bestehens. Die Flächengröße des Beetes beträgt ca. 250 qm

Hemerocallis 'Corky', Phlomis russeliana, Astilbe 'Glut' und Calamagrostis 'Karl Förster'
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