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Donau bei Pleinting

Gegen den Strom (1)

Man muss gegen den Strom schwimmen, um zur Quelle zu gelangen...
 

Dieser Satz ist in alternativen Kreisen immer gerne gehört. Es klingt so logisch, und ist von jedem gleich nachvollziehbar. Die Quelle ... ist das nicht der Ursprung alles Seins? Der Ort, wo reine Wahrheit herrscht, die von niemandem mehr in Zweifel gezogen werden kann? Es stimmt, daß mit zunehmender Nähe zur Quelle das Wasser reiner wird, es ist unbelastet und frei von irgendwelchen Einflüssen. Es ist nur geprägt von der Geologie des Stückchens Erde, das es durchflossen hat, bevor es ans Tageslicht tritt. Aber hier liegt die Betonung auf "nur". Es kann Heilwasser sein, weil es vielleicht eine ganz besondere Erdschicht durchflossen hat, aber es ist nun einmal ein Stück dieses einen Teils von Millionen anderen, die auch ihre ganz eigene Prägung haben.

Und es ist zunächst einmal nur irdisches Wasser. Wer einmal beobachtet hat, wie das Algenwachstum in einem Gartenteich geradezu explodiert, wenn man Brunnenwasser nachfüllt, der kann durchaus mißtrauisch werden, was die Qualität des Quellwassers anbelangt. Es scheint etwas zu fehlen, was ein Stück talabwärts, wenn der neue Wasserlauf ein paar Mäander durch die Landschaft gezogen hat, aufgefüllt worden ist. Dieses Wasser verhält sich nämlich nicht mehr so auffällig. Mit Flusswasser kann man in vielen Fällen Algenwachstum in einem Teich dezimieren. Das Fließen des Wassers hat seine eigene Dynamik und Kraftentfaltung. Man kann z.B. durch Keimversuche mit Pflanzensamen erkennen, daß Wasser an Stellen, wo es schnell fließt, wo es durch Strudel und Stromschnellen verwirbelt wird, eine belebende Wirkung auf die Pflanzenkeimung hat. An Stellen, wo es ruhig fließt oder fast steht, ist diese belebende Wirkung nicht zu erkennen, obwohl es immer das gleiche Wasser ist. Es mag manchem als Spekulation scheinen, aber es sind kosmische Kräfte, die sich dem Wasser durch die Fließdynamik mitteilen. Die biologisch-dynamische Wirkschaftsweise versucht, diese Kraftentfaltung durch rhytmisches Rühren ihren Hornmist- und Hornkieselpräparaten einzuverleiben.

Wenn die einzelnen kleinen Bäche zu Flüssen werden, dann sind schon viele unterschiedliche Kräfte der Erde und des Kosmos aufgenommen worden. Im Meer schließlich verschmilzt alles zu einer Einheit. Während jede einzelne Quelle nur die Geschichte einer eng begrenzten Erdscholle erzählt, ist im Meer die umfassende Wahrheit von Erde und Kosmos vereint.

Was ist also besser, um zum Ursprung zu gelangen? Gegen den Strom schwimmen oder sich treiben lassen? Man wird mir verächtlich einwenden: Sich treiben lassen hat nichts mit aktiver Lebensauffassung zu tun. Das tun nur Gemüter, die keine eigene Meinung brauchen, die sich von anderen sagen lassen, was zu tun und zu lassen ist, was richtig und falsch. Aber ist denn der, der sich bewußt treiben läßt, wirklich absolut passiv eingestellt? Muß er nicht immer darauf bedacht sein, den Kopf über Wasser zu halten, in den Stromschnellen nicht unterzugehen, vom Treibgut nicht erdrückt zu werden, am flachen Ufer nicht zu stranden? Immer den Überblick zu behalten, denn auch dem, der sich treiben läßt, lauern Gefahren. Und es erfordert eine immer größere Kraft, sich oben zu halten, je näher man der Mündung und dem Meer kommt. Während man auf dem Weg zur Quelle immer festen Boden unter den Füßen hat, verliert man ihn auf dem entgegengesetzten Weg. Man ist dort ganz auf sich allein gestellt, auf seine Fähigkeiten, seinen Mut, seinen ganz persönlichen Willen.

Dafür hat man im Meer die Fülle, an der Quelle nur einen kleinen Teil.

(c) 2003

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