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Unkraut

Unkraut

Was soll das heißen – Un-kraut? Eine Pflanze, die eigentlich keine ist? So etwas gibt es nicht. Man meint wohl eher eine, die keinen Wert besitzt. Und vor gar nicht allzu langer Zeit galt eine Pflanze (bei Tieren war das nicht anders), die keinen Nutzwert für uns Menschen besitzt, als wertlos. Man hätte es nicht bedauert, wenn es eine Möglichkeit gegeben hätte, diese Pflanzen ganz auszurotten. Als ökologisch aufgeschossener Mensch (das Wort "ökologisch" ist eigentlich ein Widerspruch in sich; wir wollen es trotzdem beibehalten, weil es sich eingebürgert hat) ist man heute von der Wichtigkeit einer jeden Pflanze im Naturhaushalt überzeugt. Deshalb spricht man nicht mehr gerne von Unkräutern, sondern lieber von Beikräutern. Man will damit ausdrücken, daß man jede Pflanze respektiert. Der Respekt geht mitlerweile bei dem einen oder anderen schon so weit, daß man sich rühmt, alles wachsen zu lasseen. Der "faule Gärtner" erfährt zunehmend Ansehen.

Die Folge vom Nichtstun im Garten ist Wildnis. Nun hat ja Wildnis durchaus eine Berechtigung, weil nur dort sich die Lebenskräfte der Natur ungehindert entfalten können. Aber wo Wildnis herrscht, gilt das Recht des Stärkeren. In der Umgebung von uns Menschen sollte dieser archaische Instikt immer mehr an Bedeutung verlieren. Statt dem egoistischen Recht des Stärkeren sollten sich im menschlichen Umgang eher altruistische Eigenschaften wie Mitgefühl, Anteilnahme, Liebe, hervortun. Deshalb dürfen wir uns durchaus unsere Gedanken über das Unkraut im Garten und die Entsprechung in unseren Seelen machen.

Ich muß zugeben, diese Gedanken sind nicht neu. Da sie aber immer aktuell sein werden, darf man auch getrost immer wieder darüber schreiben, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Sobald man anfängt, sein Grundstück zu kultivieren, weil man ein bestimmtes Ideal vor Augen hat, das man erreichen will, egal ob Zier- oder Nutzgarten, ist man gezwungen, die Wildnis zu bekämpfen. Auch bei den geringsten Ansprüchen muß man bereits eine Auslese zwischen gewollten und nicht gewollten Pflanzen betreiben. Aus dieser Sicht gibt es dann sehr wohl wertlose Pflanzen, die man durchaus als Unkräuter bezeichnen darf. Das bedeutet ja nicht gleichzeitig, daß die Pflanze als solche wertlos ist, sie ist es nur in dem eng umgrenzten kultivierten Bereich.

Auch in der menschlichen Seele gibt es "Unkräuter". Und auch hier gibt es Bestrebungen, das Unkraut als gottgegeben zu akzeptieren und zu respektieren. Es sind die niederen Leidenschaften wie Hass, Missgunst, Neid, Habsucht, Zorn, primitive Machtansprüche, die archaischen Triebe, die der Mensch, will er sich zur Krone der Schöpfung emporarbeiten, überwinden muß. Erst dann kann er seine Aufgabe erfüllen, nämlich die aktive Mitarbeit am göttlichen Schöpfungsplan in demütiger, liebevoller Hingabe. Die Arbeiten im Garten haben viel mit der Arbeit an der Vervollkommnung der eigenen Seele gemein. Wenn man einmal angefangen hat, die Wildnis zu bekämpfen, dann muß man weiter daran arbeiten. Nur durch regelmäßige Pflege kann der einmal erreichte Zustand erhalten werden. Je nachdem, welches Ziel man sich gesetzt hat, ist der Pflegeaufwand gering oder entsprechend hoch. Ein Nachlassen in der Pflege kann die Arbeit einer langen Zeit zunichte machen.

Es gibt Zeiten, in denen man nichts tut – weil etwas anderes wichtiger ist. Dann nimmt nicht nur das Unkraut überhand. Auch Pflanzen, die man selbst eingesetzt hat, überwuchern und erdrücken andere, die noch schwach sind. Das sind oft Pflanzen, die an anderer Stelle viel Freude bereiten, die anspruchslos und trotzdem schön sind. Sie brauchen wenig Pflege, weil sie sich aus eigener Kraft vermehren und sich gegen die Unkrätuer behaupten. Man hat diese Pflanzen lieb gewonnen und will sich nicht von ihnen trennen. Und doch bereiten sie an anderer Stelle Probleme. In Beeten, wo zarte, anspruchsvollere Pflanzen wachsen, werden sie selbst zum Unrkraut. Wenn man das übersieht, werden viele neue Gewächse im Keim erstickt, bevor sie sich jemals Geltung verschaffen können. Während zuvor die Eingriffe eher maßvoll waren, weil sie in kurzen Abständen erfolgten, sind jetzt gröbere Schritte erforderlich, um wieder Herr der Lage zu werden. Doch auch das kann durchaus zum Vorteil gereichen. Man erhält endlich die Gelegenheit, die gesamte Pflanzung zu überdenken. Situationen, die man eigentlich schon lange ändern wollte, deren Aufwand man aber scheute, sind jetzt mit Leichtigkeit zu verwirklichen. Und nach Abschluß der Arbeiten erstrahlt der Garten in einem neuen und oftmals schöneren Glanz als je zuvor.

Angefangen beim einfachen Garten mit Wiese und einigen Blütensträuchern bis hin zum künstlerisch angelegten Park steigt der Aufwand für die Pflege kontinuierlich an. Das soll kein Grund sein, die höheren Ziele aus den Augen zu verlieren. Auf jeder Stufe erwirbt man sich neue Fähigkeiten und stärkere Kräfte, um auf der nächsten Stufe bestehen zu können. Und noch etwas anderes kann man hier ganz deutlich nachvollziehen: Die nächste Stufe erreicht man nicht immer nur durch Verstärkung der Pflegeanstrengungen. Man muß immer wieder neue Pflanzen aufnehmen und alte entfernen, wenn etwas besseres entstehen soll. In diesem Fall werden die alten zu Unkräutern, weil sie ihre Aufgabe im Garten erfüllt haben. Aber auch zu dem, der keinen Ehrgeiz auf neue Erfahrungen hat, spricht der Garten eine deutliche Sprache. Wer glaubt, es reiche aus, den einmal erreichten Zustand durch immer die gleiche Pflege zu erhalten, der wird schnell eines Besseren belehrt. Nicht alle Pflanzen haben die gleiche Lebenserwartung wie der, der sie pflegt. Mit der Zeit entstehen Lücken, die wieder aufgefüllt werden müssen. Zudem verändert sich der Raum, sowohl durch die Pflanzen an sich, als auch durch die Pflege. Die Zeit hat ihre eigenen Gesetze, die nicht überseehen werden dürfen. Bäume und Sträucher wachsen und werfen Schatten, wo früher immer Sonne schien. Dann müssen entweder die Gehölze ausgelichtet werden, oder die sonnenhungrigen Pflanzen müssen durch schattenverträgliche ersetzt werden.

So ist auch der Kampf gegen die Leidenschaften und Triebe auf dem Weg zum Gipfel des Lebens keine Arbeit, die man einmal lernt und dann für immer beherrscht. Sie erfordert ständige Aufmerksamkeit, ein angemessenes Reagieren auf veränderte Situationen und die Bereitschaft, alte Wege zu verlassen und neue zu betreten.

ca. 2003

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