Ralph Eid, Landschaftsarchitekt

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Regenrückhaltebecken in Massing

Versöhnung

ein Regenrückhaltebecken als Erlebnisraum

Pausenhof Gymnasium Pfarrkirchen Man kann zu diesem Bild eines Gymnasiums stehen, wie man will – eines ist sicher: hier wird eine ehrliche Meinung vertreten. Keine Spur von Grün, nicht einmal ein Hauch von grüner Kosmetik in Form von Kletterpflanzen in 20 cm engen Pflanzlöchern, von denen man von vornherein weiß, daß sie keine Überlebenschance haben. Stattdessen nackter Asphalt und Pflaster. – Soviel zur Anknüpfung an die letzte Ausgabe der grünen Impressionen, die nun schon fast zwei Jahre vergangen ist.
Wir haben uns daran gewöhnt, streng zwischen Natur auf der einen Seite und Nicht-Natur bzw. Kultur oder Zivilisation auf der anderen zu unterscheiden. Das hat sich als sehr praktisch erwiesen, weil wir dadurch nicht mehr unser Gewissen mit der Natur als Ganzes zu belasten brauchen. Man kann jetzt die Natur dort schützen, wo es einem nicht weh tut, beispielsweise in Natur- und Landschaftsschutzgebieten, und sich gleichzeitig in den eigenen vier Wänden und drumherum völlig anders verhalten (s.o.). Diese Beschreibung stellt lediglich eine knappe Analyse der Situation dar und ist mit keine Wertung in irgendeiner Form verbunden, weder allgemein und schon gar nicht auf irgend jemanden persönlich bezogen.
Hier soll es – auch wenn es dann und wann den Anschein erweckt – nicht darum gehen, gute Ratschläge für eine bessere Lebensgestaltung zu vermitteln. Es wird vielmehr versucht, die Verbindung zu suchen zu dem, was uns als Leben in der Natur umgibt. Wir haben uns durch die Errungenschaften der Technik von der direkten Abhängigkeit von der Natur befreit. Allerdings zeigen (als bisher letztes Glied einer längeren Kette) die Folgen der Klimaerwärmung mitlerweile überdeutlich, daß die Emanzipation Grenzen hat. Wir werden darauf hingewiesen, daß wir unsere Verhaltensweise ändern müssen. Es geht dabei allerdings nicht um einige Korrekturen wie z.B. die Nutzung erneuerbarer Ressourcen in der Energieversorgung. Gefragt ist in erster Linie ein grundlegendes Verständnis unserer Lebensgrundlagen, das von allen mitgetragen werden kann und die ewigen Grabenkämpfe beendet – zwischen denen, die in der Bewahrung des bestehenden die wichtigste Aufgabe sehen und denen, die das als eine aufgezwungene Einschränkung ihrer Selbstverwirklichung deuten und lieber dem ungehemmten Fortschritt den Vorzug geben; in der Hoffnung, daß sich die meisten Probleme mit dem Fortschritt von alleine lösen werden.

Regenrückhaltebecken Massing Feng Shui
Regenrückhaltebecken als Naturteich
Regenrückhaltebecken als Bachlauf
Regenrückhaltebecken
Quellstein im Regenrückhaltebecken

Eine solche allgemeingültige Übereinkunft ist nicht in Sicht und so bleibt es jedem überlassen, seinen Beitrag dazu zu leisten oder nicht. Die Fachleute der Grünen Branche haben den Vorteil, daß sie in ihrer täglichen Arbeit mit den angesprochenen Fragen zu tun haben. Sie haben die bevorzugte Möglichkeit, ihren Beruf in den Strom des Lebens einzubetten und mit ihrer Arbeit aufmerksam zu machen auf die Zusammenhänge und Verbindungen, die den Menschen immer noch einbinden in den Einklang der Natur. Auch wenn diese Arbeit auf den ersten Blick wenig mit Natur zu tun hat – es entstehen schließlich in erster Linie gestaltete Kunstlandschaften mit vielen exotischen Pflanzen und Züchtungen, die so in der Natur nicht vorkommen – , so ist doch das Leben in allen diesen Kunstlandschaften noch immer und überall ein natürliches Leben. Und damit ergibt sich hier die große Chance, die Trennung zwischen Natur und Nicht-Natur zu überwinden, sofern man bereit ist, sich damit auseinander zu setzen. Wohlgemerkt: das ist beileibe nicht die einzige und ausschließlich richtige Art, sich dem Verständnis der Natur zu nähern. Es kann ein Stück des großen Puzzles sein, das sich irgendwann zu einem vollständigen Bild formiert.

In der ersten Ausgabe der "Grünen Impressionen" wurde eine Anlage in einem Gewerbegebiet beschrieben, wo ökologisch sinnvolles Regenwassermanagement nicht in der Erde versteckt, sondern in die Gestaltung der Gesamtanlage integriert worden ist. Dort ist eine aufwendige Anlage mit Bachlauf und Schwimmteich entstanden. Letztes Jahr wurde diese Anlage mit einem saarländischen Umweltpreis ausgezeichnet. Heute geht es um ein Projekt auf Bebauungsplan-Ebene: Das Feng-Shui-Baugebiet in Massing. Auch hier wurde, wie bei vielen anderen Neubaugebieten auch, durch den Vorhabenträger zunächst einmal nur das unbedingt notwendige unternommen. Dieses Notwendige bestand in der Anlage von Regenrückhaltebecken, um den Wasserabfluß in die nahe Rott zu drosseln. Da das Grundwasser in diesem Gebiet sehr hoch ansteht, war die Tiefe der erforderlichen Becken begrenzt. Um trotzdem das berechnete Rückhaltevolumen zu erreichen, wurde die Fläche entsprechend vergrößert. So entstanden Ingenieurbauwerke, die zwar die technischen Anforderungen erfüllten, darüber hinaus aber reichlich nutzlos ihr Dasein fristeten. Es waren Löcher in der Landschaft, die weder für die Anwohner, noch sonst für irgendwen nutzbar waren. Im Sommer waren die Sohlen trocken – das große Becken hätte in dieser Zeit vielleicht als Spielfläche genutzt werden können, wenn nicht die steilen Böschungen von vornherein den abweisenden Eindruck unterstrichen hätten.

Mit dem steigenden Bekanntheitsgrad des Feng-Shui-Baugebietes und dem zunehmenden Interesse nicht nur im regionalen Umfeld wuchs auch die Bereitschaft, diese Flächen aufzuwerten. Der bindige, undurchlässige Boden und der hohe Grundwasserstand forderten das weitere Vorgehen geradezu heraus. Die Becken wurden vertieft, die Böschungen weich ausmodelliert und auch die horizontalen Formen organischer und weicher gestaltet. Wo früher trockener Boden war, sind heute ausgedehnte Wasserflächen. Damit der Wasserstand immer stabil bleibt und die seichten Bereiche nicht abstehen, fördert eine solarbetriebene Pumpe bei schönem Wetter Grundwasser zur Nachspeisung.

Von vornherein wurden zwei Hauptziele verfolgt (zusätzlich zu dem immer noch gewährleisteten Regenrückhaltevolumen): Für die Anwohner ein Naherholungsgebiet direkt vor der Haustür, für die Natur ein Ausgleich für den verloren gegangenen Lebensraum.

Die Maßnahmen für die Anwohner beschränkten sich nicht auf die Anlage der Wasserflächen. Für Kinder wurde an einer seichten Stelle ein Quellstein integriert, wo sie an warmen Tagen nach Herzenslust plantschen können. Ein Stück weiter bietet eine Spiel- oder Liegewiese weitere Gelegenheiten für Aktivitäten. Im Winter kann die Eisfläche zum Schlittschuhlaufen oder Eisstockschießen genutzt werden. Theoretisch könnte man hier im Sommer auch schwimmen; leider führt die geringe Wassertiefe von ca. 1 m dazu, daß der schlammige Untergrund leicht aufgewirbelt wird, was in kurzer Zeit eine starke Trübung des Wassers zur Folge hat. Dabei wird der angestrebte Genuß empfindlich getrübt.

Im Vorfeld der Planung gab es erhebliche Bedenken seitens der Anwohner. Besonders die Gefahr für Kinder, die durch die offenen Wasserflächen entsteht, war ein wichtiges Argument gegen die Teiche. Diesen Bedenken wurde von vornherein durch eine mindestens zwei Meter breite Sumpfzone von max. 20 cm Tiefe entlang der Uferlinie Rechnung getragen. Dadurch wird ein unbeabsichtigter Sturz in die Tiefzonen verhindert. Dieser Ansatz entspricht auch der bereits seit einigen Jahren bestehenden neuen Auffassung der Gemeindeunfallversicherer, die nicht mehr in der Wasserfläche an sich die Hauptgefahr sehen, sondern in der Art der Bauweise.

Die Becken und Gräben im weiteren Verlauf werden dagegen mehr der Natur überlassen. Röhrichtzonen im Wechsel mit offenen Wasserflächen bieten vielen Amphibien, Libellen und anderen Bewohnern der Feuchtgebiete einen wertvollen Lebensraum. Auch in der ländlich geprägten Landschaft des Rottals sind intakte Feuchtgebiete nicht mehr häufig zu finden, weshalb auch diese relativ kleinen Flächen durchaus wichtig sind. Noch viel wichtiger ist mir allerdings ein weiterführender Gedanke, der hier in idealer Weise zumindest im Ansatz verwirklicht werden konnte, nämlich das Nebeneinander und Miteinander von Wohnen und Naturschutz im weitesten Sinne. Die Trennung von Natur und Nicht-Natur wird hier ein kleines Stück aufgehoben.

Dieser Ansatz hätte noch viel deutlicher verwirklicht werden können, wenn der Landschaftsarchitekt bereits bei der Aufstellung des Bebauungsplanes hinzugezogen worden wäre. Und auch die Kosten hätten sich reduziert. Von den Gesamtkosten in Höhe von ca. 75.000 € wurde ein großer Teil, nämlich ca. 30.000 €, darauf verwendet, bereits fertiggestellte Situationen der veränderten Planung anzupassen. Zusätzliche Erdarbeiten, Verlegung von Elektrokabeln, Ausbau und Tieferlegung eines Weges u.v.m. hätten bereits bei der Erschließung ohne Mehrkosten berücksichtigt werden können.

Es braucht nicht verschwiegen werden, daß es nach der Fertigstellung zu gewissen Komplikationen kam, weil die Natur eben einen eigenen Willen entfaltet, der nicht immer dem entspricht, was der Mensch sich vorstellt. Aufgrund des nährstoffreichen Grundwassers und der relativ geringen Wassertiefe hat sich Röhricht extrem schnell ausgebreitet. Ohne Gegenmaßnahmen wären die Wasserflächen innerhalb kurzer Zeit zugewachsen, d.h. verlandet. Dieser Ausbreitung muß durch gezielte Pflege entgegengearbeitet werden. Diese Pflege wird durch die Anwohner durchgeführt, die sich mit "ihrem" Teich identifiziert haben. Sie nehmen die Pflege in Kauf, weil sie den Zugewinn an Lebensqualität, die die neue Umgebung bietet, mehr als rechtfertigt. Vielleicht ist das die schönste Bestätigung für den Planer. Eine weitere war die Anerkennung im Rahmen des Bayerischen Landeswettbewerbes "Grün und Erholung in Stadt und Gemeinde". Unter allen eingereichten Arbeiten kam das hier vorgestellte Projekt in die engere Auswahl der besten zehn und wurde vom Bayerischen Staatsminister für Landesentwicklung und Umweltfragen mit einer Urkunde für vorbildliche grünplanerische Leistungen belohnt.

Zum Abschluss – man kann es nicht oft genug wiederholen – muß noch einmal klargestellt werden, daß eine erforderliche Pflege kein Hinderungsgrund sein darf für eine anspruchsvolle Gestaltung. Jedes Haus, jedes Auto – alles was in irgendeiner Form von Wert ist, braucht Pflege, um diesen Wert zu erhalten. Das Grün macht da keine Ausnahme. Im Gegenteil: Wer sich auf den Standpunkt stellt, daß Grünflächen mit der geringstmöglichen Pflege auskommen müssen, der unterstellt damit die Wertlosigkeit dieser Flächen.

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