Ralph Eid, Landschaftsarchitekt

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Pfarrkirchen Südeinfahrt Mittelstreifen

Zwischenräume

Heute geht es um die Stiefkinder im öffentlichen Grün: Um ungeliebte Flächen, die sich aus irgendwelchen Sachzwängen heraus ergeben. Es handelt sich dabei um Sichtdreiecke an Straßeneinmündungen, Mittelstreifen, Verkehrskreisel, Verkehrsbegleitgrün allgemein oder Brachflächen und Baulücken im Siedlungsbereich, um Abstandsflächen in Gewerbegebieten oder um gliedernde Flächen bei Parkplätzen.

Silbersommer im Winter
Silbersommer im Frühjahr
Silbersommer im Sommer
Silbersommer im Herbst

Es ist das gleiche Dilemma wie in jedem Privatgarten, den man wie selbstverständlich hat, da das Haus nun einmal nicht das gesamte Grundstück füllt. Dort ist das die viel gepriesene Privatsphäre, auf die man so stolz ist, zu der man aber dennoch keinen rechten Bezug gewinnen kann. Auch heute noch, wo der Garten angeblich viel an Bedeutung gewonnen hat, wird alles mit Rasen grün übertüncht. Die wenigsten tun das, weil sie es schön finden – obwohl es natürlich auch Menschen gibt, für die eine leere grüne Fläche schon ein ästhetischer Hochgenuß ist – sondern eher aus Gedankenlosigkeit, weil das eben jeder hat, wenig kostet und angeblich auch wenig Arbeit macht.

Es geht mir in den "Grünen Impressionen" nicht in erster Linie darum, fertige Lösungen anzubieten. Die Themen, die hier behandelt werden, stehen alle in einem engeren oder weiteren Zusammenhang mit der Natur oder der Umwelt. Da wir nicht isoliert von dieser Umwelt sind, sondern ein Teil von ihr, betrifft unser Handeln also nicht etwas außer uns, sondern immer auch unser eigenes Dasein. Nur weil die Wirkung nicht unmittelbar auf die Ursache folgt, übersieht man das sehr leicht.

Deshalb sei es mir erlaubt, auch bei einem scheinbar einfachen Thema weitläufig auszuholen: Die Begrünung im Siedlungsbereich hat vieles mit der Gestaltung oder Nutzung des Gartens gemein. Der Vergleich mit dem Garten kann daher viel zum Verständnis beitragen.

Über Jahrhunderte war der Garten Mittel zum Lebensunterhalt. Gefragt war, was nützt, was eßbar ist oder sonstwie verwertet werden kann. Gartenkultur hat in diesem gedanklichen Umfeld keine Anziehungskraft. In den letzten Jahrzehnten hat der Garten zwar seine Bedeutung für die Selbstversorgung verloren, auf den frei gewordenen Flächen hat sich aber keineswegs eine neue Nutzung etabliert. Vielmehr ist ein Flächenvakuum entstanden, das lediglich als Abstandsgrün zum Nachbarn oder zu öffentlichen Räumen Bedeutung hat (Lärmschutz/Sichtschutz). Viele betrachten diese Flächen als nutzloses Anhängsel, das aber trotzdem einen erheblichen Pflegeaufwand verursacht. Entsprechend gering ist daher die Bereitschaft, für diese Flächen einen merklichen Anteil des verfügbaren Kapitals zu investieren. Es sagt viel über die Mentalität des Gartenbesitzers aus, wenn für den Rasenmäher mehr Geld ausgegeben wird als für die komplette Gartenanlage.

Unsere direkte Umwelt im besiedelten Raum ist zu reinen Verkehrs- und Nutzflächen verkommen. Es scheint oftmals, als ob das Funktionieren der technischen Abläufe alle anderen Ansprüche des Menschen in den Hintergrund drängt. Mit großem finanziellen Aufwand werden Güter erzeugt, bewegt und wieder entsorgt, allein um unser materielles Wohlbefinden zu sichern und zu vergrößern. Im gleichen Maße, wie wir uns die Erde durch die Technik untertan machen, verkümmert unser seelisches Leben. Wo ist noch Platz für Besinnlichkeit, für Ästhetik und Harmonie in unserer unmittelbaren Umwelt? Einen Ausweg suchen viele im Urlaub z.B. in wildromantischen Landschaften. Es kann aber doch nicht ernsthaft unser Ziel sein, wenige Wochen im Jahr in großer Entfernung das zu suchen, was wir zuhause bedenkenlos zerstört haben.

Nun sind aber, um wieder zum Eingangsthema zurückzukommen, einige wenige Flächen – zum Leidwesen derer, die für die Unterhaltung aufkommen müssen – nur halb zerstört worden. Da sie für eine Nutzung nicht in frage kamen, hat man das vermeintlich einfachste damit angestellt, nämlich Rasen angesät. Als sich herausstellte, daß damit ein nicht unerheblicher Pflegeaufwand verbunden war, der umso größer wurde, je kleiner die Flächen waren, da der Anteil der Rüstzeiten unverhältnismäßig hoch ist, kam die große Zeit der Bodendecker. Das war allerdings nicht unbedingt ein Fortschritt. Während auch auf dem extrem verwahrlosten Rasen immer noch Gänseblümchen für Bewegung sorgen, passiert auf den Bodendeckerflächen überhaupt nichts mehr. Cotoneaster und Heckenkirschen sind zwar immergrün, aber eben ausschließlich und immer nur grün. Seit einigen Jahren sieht man Rosen als Bodendeckerpflanzen. Auch das scheint mir nur ein marginaler Fortschritt zu sein. Die Flächen sind jetzt nicht immer nur grün, sondern eine Zeitlang auch rot oder weiß. Einmal gepflanzt, verändert sich nichts mehr in der Gestalt, sondern nur noch in der Farbe. Das Entscheidende dabei ist, daß bei allen Variationen eine statische Betrachtungsweise im Vordergrund steht. Es macht prinzipiell keinen Unterschied, ob das Bild grün oder bunt ist: Das was die ursprüngliche Natur ausgezeichnet hat und die eigentliche Qualität des Lebens ausmacht, nämlich das Wachstum und die Veränderung, ist unerwünscht. Auch die Wechselbepflanzung mit Stiefmütterchen und Kollegen macht da keinen Unterschied. Hier wie dort geht es in erster Linie um eine zwar farbige, aber leblose Komposition, die aus bunten Pflastersteinen zusammengestellt nicht wesentlich anders wirken würde.

Eine Bepflanzung mit Stauden als Bodendeckerersatz hat dagegen eine völlig andere Dimension. (Staude wird hier selbstverständlich im botanischen Sinne gebraucht und ist also nicht gleichbedeutend mit der bayerischen Bezeichnung für alles, was irgendwie grün ist). Im Gegensatz zu Gehölzen, zu denen auch die Rosen gehören, sterben bei den Stauden die oberirdischen Pflanzenteile im Herst ab. Im Frühjahr treibt die Pflanze dann wieder aus der Wurzel aus. Sie macht jedes Jahr von neuem die Entwicklung von Wachstum, Blüte, Frucht und Vergehen durch, für die ein Strauch oder Baum Jahrzehnte und Jahrhunderte braucht. Was in der Entwicklung einer Staudenpflanzung in Erscheinung tritt, bringt das, was Leben ausmacht, viel deutlicher zum Ausdruck als alle anderen Bepflanzungsarten.

Wir sind es gewöhnt, unser Hauptaugenmerk bei Zierpflanzen auf die Blüte zu legen. Niemand will bestreiten, daß dieser Zustand für uns am attraktivsten ist. Aber trotz aller Attraktivität ist es eben nur ein Zustand, in dem nur ein Teil dessen, was Leben bedeutet, zum Ausdruck kommt. Mit der Blüte ist in der Regel die vegetative Entwicklung einer Pflanze, also das Wachstum, abgeschlossen. Man muß diese beiden Entwicklungsphasen auseinanderhalten. In der Keimung und im Wachstum tritt Leben in Erscheinung, das sich entwickeln und verwirklichen will, sozusagen die Inkarnation einer Idee des Schöpfungsgeistes. In der generativen Phase von der Blüte bis zur Fruchtbildung sorgt diese Idee für die Selbsterhaltung. Zwischen Entfaltung und Erhaltung spielt sich das Leben ab. Reine Erhaltung würde nie neues Leben gebären.

Statt mit Hilfe von Bodendeckern oder Rasen mit lebenden Wesen ein totes Bild zu malen, können mit Stauden Situationen geschaffen werden, wo die Lebenskräfte der Natur unmittelbar miterlebt werden können. Wie sonst können wir wieder etwas von der Achtung und Ehrfurcht vor dem, was auch heute noch viele Verantwortliche des öffentlichen Lebens in schönen Reden als die Schöpfung bezeichnen, zurückgewinnen? Ich bin sicher, daß nicht alle, die unter dem Druck der leeren Kassen glauben, am Grün sparen zu müssen, sich über die Konsequenz ihres Handels im Klaren sind.

Selbstverständlich wird auch der größte Idealist nicht annehmen, daß sich etwas in unserem Denken ändert, nur weil wir irgendwo ein paar Stauden pflanzen. Die Situation, in der wir uns jetzt befinden, ist über Jahrzehnte gewachsen. Aber irgendwo muß man anfangen. Und etwas mehr Lebendigkeit im öffentlichen Raum tut der Kasse nicht weh, könnte aber eine Art Keimzelle für einen veränderten Umgang in unserem Denken mit unserer Lebensgrundlage sein.

Für jene, denen diese Gedankengänge etwas zu suspekt vorkommen, seien noch zwei andere Gründe genannt, die für die Verwendung von Stauden im öffentlichen Grün sprechen:

Die Fotos dieser Seiten wurden freundlicherweise von der Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau Erfurt zur Verfügung gestellt. Sie stammen von einer Versuchsserie, die von mehreren Versuchsanstalten in Deutschland zum Thema Staudenverwendung im öffentlichen Bereich durchgeführt wurden (Projekt Silbersommer) (Anmerkung: mitlerweile gibt es eigene Projekte zu diesem Thema, die unter Verkehrsbegleitgrün zusammengefasst sind.)

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